Warum ich an Gott glaube – ein Interview

Wieder einmal war es an der Zeit, mich mit mir zusammenzusetzen, diesmal, um über den Glauben an Gott ins Gespräch zu kommen.

Frage-Ich: Alexander, lass uns über deinen Glauben reden.

Antwort-Ich: Schwierig.

F: Wieso schwierig?

A: Es ist schwierig, das Unfassbare in Worte zu fassen.

F: Du kannst nicht in Worte fassen, woran du glaubst?

A: Ich kann Gründe angeben. Aber hinter all den Gründen verbirgt sich etwas, das nur mir, und das auch nur in seltenen Momenten zugänglich ist; ein Sehen ins Unsichtbare hinein, wenn man so will; ein Gefühl von Mehr, von Ewigkeit, davon, dass Gott da ist und ich in ihm aufgehoben bin.

F: Und dieses Gefühl ist selten?

A: Leider ja, leider gibt es so viele Gewohnheitsgefühle, die dem Außergewöhnlichen den Platz rauben; Hunger zum Beispiel, Müdigkeit, Stress, Trägheit oder das Gefühl, dass Dortmund doch noch Meister wird.

F: Das heißt, der Alltag steht dem Glauben im Weg?

A: So würde ich das nicht ausdrücken, ich würde eher sagen, dass wir uns an das Leben gewöhnt haben und die Macht der Gewohnheit uns dazu zwingt, es einfach hinzunehmen, abzuarbeiten, aber nicht mehr zu hinterfragen und auch im Alltäglichen offen für das Ungewöhnliche zu sein.

F: Dann lass uns jetzt, wo wir hier beim sonntäglichen Tee so gemütlich beieinander sitzen, die Gelegenheit nutzen, das Ungewöhnliche doch noch zu fassen zu kriegen, ich frag daher noch einmal konkret, woran glaubst du?

A: Ohne dir das Heft aus der Hand nehmen zu wollen, vielleicht sollte man zunächst einmal fragen, unter welchen Bedingungen ich überhaupt bereit bin, an etwas zu glauben.

F: Meinetwegen, unter welchen Bedingungen bist du bereit, überhaupt an etwas zu glauben?

A: Oder noch besser, vielleicht sollte man damit anfangen zu fragen, unter welchen Bedingungen ich nicht glauben würde.

F: Wie du meinst, also?

A: Also was?

F: Unter welchen Bedingungen würdest du nicht glauben?

A: Schön, dass du fragst, zum Beispiel unter denen, dass Gott nur das abstrakte Resultat einer Denkanstrengung oder eines Gefühls wäre, das ich in mir trage. Das wäre mir zu wenig, um darauf mein Leben aufzubauen. Zudem mein Denken und meine Gefühle mich oft genug in die Irre leiten. Nein, wenn es einen Gott gibt, an den ich glauben soll, dann kommt er um eine Selbstoffenbarung nicht herum.

F: Aber angenommen, Gott würde sich uns tatsächlich offenbaren, dann erleben wir dies, mit Kant gesprochen, ja nicht unmittelbar, sondern nur mittelbar über unsere Sinne, Gedanken und Gefühle. Das heißt, wir sind auch in diesem Fall von unseren Gedanken und Gefühlen abhängig, die uns täuschen können.

A: Das ist richtig, jedoch ist es ein Unterschied, Gott lediglich zu denken ober über Gott nachzudenken. Das heißt, erst wenn sich Gott offenbart, steht eine konkrete Wahrheit im Raum, die ich mit meinen Mensch gegebenen Mitteln überprüfen kann. Ebenso ist es ja auch ein Unterschied, an UFOs zu glauben oder plötzlich ein notgelandetes UFO im Garten stehen zu haben und entscheiden zu müssen, ob dieses untertassenförmige Gebilde tatsächlich ein UFO ist.

F: Verstehe. Nur mit UFOs ist es ja meistens so, dass UFO-gläubige Personen nur irgendein flackerndes Licht am Himmel sehen müssen und schon davon überzeugt sind, wieder einmal eine Begegnung der dritten Art gehabt zu haben. Es hängt also vom Interpretationsrahmen ab. Glaube ich an UFOs, dann sehe ich überall UFOs. Glaube ich an Gott, dann sehe ich überall Gott.

A: Da muss sich natürlich jeder selbst fragen, wie überzeugend die eigenen Überzeugungen und Vorannahmen sind. Bezogen auf Gott würde ich schon sagen, dass es nicht nur gute Gründe dafür gibt, dass Gott existiert, sondern auch gute Gründe, dass Gott, sofern er existiert, an einer Selbstoffenbarung gelegen ist.

F: Und welche Gründe wären das?

A: Zunächst einmal würde ich mit Karl Rahner sagen: Von nichts kommt nichts. Weil die Natur aber nicht nur sächlich, sondern auch personal ist und somit Eigenschaften wie Vernunft und Liebe beinhaltet, würde ich induktiv annehmen, dass die Natur nicht nur von einem Gott geschaffen ist, sondern dass dieser Gott ebenso ein personales Wesen ist. Egal also, wer Gott ist, wenn er die Welt geschaffen hat, darf er nicht weniger sein als die Welt; nicht weniger also als Person, Vernunft und Liebe.

F: Und weil du davon ausgehst, dass Gott Person ist und dass der Mensch Person ist, schließt du daraus, dass Gott und Mensch „beziehungskompatibel“ sind und die Welt daher auf eine Selbstoffenbarung Gottes ausgelegt ist.

A: So könnte man das ausdrücken, ja; vielleicht mit dem Zusatz, dass Gott meinem Verständnis nach ja nicht nur Person, sondern Liebe ist, also Liebe in Person, wobei Liebe nie für sich bleibt, sondern immer die Nähe des Anderen, des Geliebten sucht.

F: Wie aber soll ich mir vorstellen, dass Gott sich selbst offenbart? Denn wenn ich das richtig sehe, hat er, wenn er die Welt geschaffen hat, und die Ursache größer ist als die Wirkung, keinen Platz in der Welt, ebenso wenig wie der Eiffelturm hier in diesem Zimmer Platz finden würde. Wo und wie findet also die Selbstoffenbarung statt?

A: Nun, hat Gott die Welt geschaffen, dann hat er auch die Endlichkeit geschaffen und ist somit selbst unendlich. Definiert man den Menschen als endliches Wesen aber so, dass es etwas gibt, das ihn begrenzt, dann gibt es für Gott als unendliches Wesen nichts, das ihn begrenzt. In diesem Sinne steht er als Schöpfer einerseits über der Schöpfung, aber durchdringt sie andererseits auch, da auch die Schöpfung ihn nicht begrenzt. Einen Zuschauergott, wie ihn der Deismus annimmt, kann es also so gesehen nicht geben. Wenn er aber alles durchdringt, dann kann er sich auch theoretisch in allem offenbaren.

F: Das heißt, Gott offenbart sich in der Schöpfung, in der Natur?

A: Die Schöpfung zeugt von einem Schöpfer, aber wenn sich Gott explizit offenbart, dann findet, weil er Person ist, eine Ansprache statt. In der Bibel finden sich hierfür Bilder wie zum Beispiel der brennende Dornbusch oder der rauchende Berg, aus oder auf dem Gott spricht.

F: Und wenn Gott spricht?

A: Es hat wahrscheinlich seinen Grund, dass die Ansprache Gottes in der Bibel oft mit einem „Du sollst!“ verbunden ist. Denn ist Gott wirklich an einer Beziehung zum Menschen gelegen, und beruht Beziehung auf einer gegenseitigen freiheitlichen Entscheidung füreinander, dann muss Gott den Menschen zunächst einmal zur Freiheit befähigen. Dies tut er, indem er Gebote aufstellt, die der Mensch befolgen soll, und ihn dadurch zur Mündigkeit erzieht. Frei handelt der Mensch also nicht, wenn er so darf wie er will, denn dann wäre er Sklave seiner selbst. Frei handelt er auch nicht, indem er so muss wie Gott will, denn dann wäre er Sklave Gottes. Wirklich frei handelt er, wenn er etwas tut, was er vielleicht gar nicht tun will, aber insgeheim weiß, dass er es tun sollte.

F: Verstehe ich nicht, bitte noch einmal.

A: Naja, wärst du nicht ein zugegebenermaßen äußerst attraktiver Mann, sondern eine attraktive Frau, und wir hätten eine Beziehung, dann könnte das nur funktionieren, wenn einer den anderen weder zu etwas zwingen noch für seine eigenen Zwecke ausnutzen würde. Moral hilft uns dabei, den Blick von unserem eigenen Nabel ab- und dem Anderen zuzuwenden, auch wenn man sich möglicherweise viel lieber um die eigene Achse drehen würde.

F: Alles klar. Wenn Gott uns aber zwar durchdringt, uns jedoch aufgrund seiner Wesensverschiedenheit verborgen bleibt, besteht dann nicht die Gefahr, Gott und Moral miteinander zu verwechseln, so dass sich die Qualität der Beziehung alleine dadurch definiert, dass man moralisch lebt und sich somit im Einklang mit Gott befindet, ohne dass Gott ein echtes Gegenüber und Ansprechpartner ist?

A: Das würde ich ähnlich formulieren, und daher gipfeln der christliche und somit ja auch mein Glaube darin, dass Gott Mensch wird und dadurch eine echte Beziehung auf Augenhöhe stattfinden kann. Oder um es trinitarisch auszudrücken: Gott wacht als Vater über den Menschen, Gott wohnt als Geist in den Menschen, Gott lebt aber auch als Bruder unter den Menschen. Das heißt, indem Gott Mensch wird, wird er buchstäblich begreifbar; Gott der Vater umgreift uns, aber Gott, den Sohn, kann der Mensch umgreifen.

F: Und im Hier und Jetzt, was bedeutet das für deinen persönlichen Glauben?

A: Ich denke, ohne die Person Jesus würde es mir generell schwer fallen, überhaupt an Gott zu glauben. Es macht für mich Sinn, dass Gott, sofern ihm an einer Beziehung zu uns gelegen ist, sich auf unser Niveau herablassen muss. Es ist aber auch klar, dass Gott sich nicht auf unser verkommendes moralisches Niveau herablassen kann, sondern ganz im Gegenteil, uns auf sein moralisches Niveau heraufziehen will. Und deswegen wird Gott ja auch nicht nur Mensch, um dem Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, sondern Gott wird Mensch, um die Welt in Ordnung zu bringen, beziehungsweise, Ostern steht vor der Tür, in der Kraft seiner Auferstehung die Tür zu einer Ordnung mit Ewigkeitsqualität aufzustoßen.

F: Und noch einmal gefragt, was heißt das für dich persönlich?

A: Glauben heißt für mich einerseits, in diese Geschichte, dass Gott Mensch wird, einzutauchen. Diesbezüglich kann man die Bedeutung der Bibel wohl nicht hoch genug hängen, die mich in die vergangenen Großereignisse mit hineinnimmt und sie mir gleichzeitig aufschließt. Glauben heißt für mich andererseits aber auch, die Geschichte fortzuschreiben, indem ich meinen Teil dazu beitrage, die Welt unter die Ordnung Gottes zu bringen. Und wiederum trinitarisch formuliert, heißt Glauben für mich schließlich und zusammenfassend, die Gegenwart Gottes über mir, in mir und neben mir Wirklichkeit werden zu lassen, was zugegebenermaßen ein wohl lebenslanges Unterfangen ist.

F: Warum?

A: Ich würde sagen, weil unabhängig von menschlichen Zweifeln und Unzulänglichkeiten weder ich noch die Geschichte vollendet sind und daher Glauben immer auch bedeutet, auf eine Vollendung der Dinge in der Zukunft zu hoffen.

F: Ich danke für das Gespräch.

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Kann Gott Wunder wirken?

Hin und wieder höre ich, dass Gott schon deswegen keine Wunder wirken kann, weil ein Einwirken Gottes in unser System dem Energieerhaltungsgesetz widersprechen würde. D.h. auch wenn gemäß dem zweiten thermodynamischen Gesetz Energie innerhalb eines Systems von einem (Objekt) auf das andere übergehen kann (also z.B. vom heißen Tee auf den kalten Teebecher, der durch den heißen Tee wärmer wird), ist es scheinbar doch unmöglich, dass die Gesamtenergiemenge ansteigt – weswegen es scheinbar auch unmöglich ist, dass Gott Wunder wirkt und somit durch sein Handeln unserem System von außen Energie zuführt.

Warum ich das Argument für nicht besonders stichhaltig halte, liegt daran, dass es m.E. insofern einen Zirkelschluss darstellt, als dass die physikalischen Gesetze immer nur (unbedingt) innerhalb eines geschlossenen Systems gelten. D.h. gibt es keinen Gott, dann ist unsere Welt ein geschlossenes System, und der Gott, den es nicht gibt, könnte auch nicht in die Welt eingreifen. Gibt es dagegen einen Gott, dann gibt es etwas, das über unsere Wirklichkeit hinausreicht und unsere Welt ist kein geschlossenes System – weswegen es dann wiederum möglich sein muss, dass sich Gott über die gegebenen physikalischen Gesetze hinwegsetzen und sehr wohl Wunder wirken kann.

Was können wir wissen? Kant und die Dreieinigkeit Gottes

Die erkenntnistheoretische Antwort auf Kants Transzendentalphilosophie ist m.E. die Dreieinigkeit Gottes. Denn natürlich ist es wahr, dass wir Gott nicht denken können, weil unser Denken an Zeit und Raum gebunden ist. Und natürlich nehmen wir die Welt nicht so wahr wie sie ist, sondern nur so, wie sie uns vorkommt. D.h. wir können uns kein objektives Bild von der Welt machen, da alles, was sich in der Welt befindet, erst einmal unsere Sinne durchlaufen muss und  anschließend mithilfe unseres Denkvermögens subjektiv interpretiert wird. Farben zum Beispiel. Farben kommen in der Welt nicht vor, sondern wir sind es, die den Sinneseindruck interpretieren und als Farbe in die Welt hineinlesen. Wem nun mehr Wirklichkeit innewohnt, der farblosen Welt oder unserer gefärbten Wahrnehmung, ist schwer zu sagen; zumindest für uns selbst ist die subjektive Wirklichkeit wirklicher als die Wirklichkeit da draußen, was ja auch schon deshalb so sein muss, weil sie mehr in uns bewirkt, z.B. das Gefühl der Erhabenheit, wenn wir einen roten Sonnenuntergang sehen.

Das Problem aber, dass wir Gott nicht erkennen können, weil unser Denken an Raum und Zeit gebunden ist, das ist im christlichen Glauben insofern gelöst, als dass Gott in Raum und Zeit – in der Person Jesus Christus – Wirklichkeit geworden ist. Was wir demnach von Gott wissen können, ist das, was am Menschen Jesus sichtbar wird.

Und das Problem, dass uns die objektive Welt verschlossen ist, weil wir sie nur subjektiv oder höchstens intersubjektiv (durch Austausch mit anderen Menschen) erfahren, ist im christlichen Glauben insofern gelöst, als dass Gott durch den Heiligen Geist in uns wohnt und wir somit einen unmittelbaren Zugang zu Gott haben. D.h. Gott umgeht unsere natürlichen Sinne und klingt sich auf übernatürliche Weise direkt in unser Denken ein, weiß Gott, wie er das macht. Und das ist keine Floskel, denn tatsächlich weiß nur Gott, wie er das macht. D.h. weil wir nach wir vor in Raum und Zeit verhaftet sind, hört unsere Wahrnehmung an der Schwelle zum Raum- und Zeitlosen auf und wir können zwar feststellen, dass Gott in der Welt und in uns wirkt, aber wir können uns das nicht erklären; wir können höchstens in der Evidenz seines Wirkens einen Hinweis darauf entdecken, dass seine Wirklichkeit in unserer Wirklichkeit wirkmächtig und daher wirklich ist.

Wohnt Gott aber in uns, dann stellt sich das Problem, dass wir nicht zwischen uns und ihm – zwischen dem, was wir selbst denken und dem, was er in unser Denken hineinlegt – trennscharf unterscheiden können. Dies allerdings birgt zwei große Gefahren. Erstens, Gott in der Form misszuverstehen, dass man sein Reden mit dem eigenen inneren Monolog verwechselt. Und zweitens, Gott in der Form zu missbrauchen, dass man so tut, als hätte er geredet, um damit dem eigenen Reden Gewicht zu verleihen. Beide Gefahren umgeht man m.E., indem man Gott trinitarisch denkt, bzw. das Reden des Heiligen Geistes an das Reden vom Sohn koppelt. Der Heilige Geist redet also nicht kraft seiner selbst und über sich, sondern kraft des Vaters und über den Sohn. Führt er uns, wie Jesus das formuliert, in alle Wahrheit, dann ist es seine Aufgabe, das Reden und Handeln Jesu von falschen und subjektiven Interpretationsweisen zu bereinigen und uns gleichzeitig zu helfen, die göttlich-objektiven Wahrheiten auf unsere subjektive Erfahrungswelt herunterzubrechen.

Warum so sein zu wollen wie Gott böse macht

Die Nadel ist zwar etwas abgekühlt, aber dennoch will ich noch einmal auf den letzten Beitrag zurückkommen. Und zwar beruht er auf der Erkenntnis, dass Adam und Eva vor dem Sündenfall ausschließlich positiv von Gott gedacht haben müssen. D.h. Gott war für sie jemand, der sich um sie kümmert, der für sie da ist und dem sie vollkommen vertrauen können – dessen Liebe also für die Menschen selbst diejenige einer Mutter Theresa tausendfach übersteigt. Und in diesen Kontext hinein macht ihnen die Schlange auf einmal das Angebot, wenn sie von einem bestimmten Baum essen, dann werden sie sein wie Gott. Also gemäß ihrem Verständnis von Gott genauso gut, fürsorglich und liebevoll. Warum so sein zu wollen wie Gott böse macht weiterlesen

Was ist die größte Sünde?

Was ist eigentlich die größtmögliche Sünde? Ich würde meinen, die größtmögliche Sünde ist die, welche alle anderen Sünden nach sich zieht. Und welche Sünde das ist, da spricht die Bibel gleich am Anfang eine klare Sprache: Der Mensch will so sein wie Gott! Wenn das aber die größtmögliche Sünde ist, so sein zu wollen wie Gott, müsste man fragen: Wer ist Gott? Und diesbezüglich lautet seine Selbstauskunft: Ich bin, der ich bin! So sein zu wollen wie Gott, würde demnach bedeuten, so zu sein wie man ist, bzw. so sein zu wollen wie man ist, also davon auszugehen, dass man genauso, wie man ist, richtig ist. Und das hört man eigentlich ziemlich oft: Ich bin, was ich bin, und das ist auch gut so. Was ist die größte Sünde? weiterlesen

Auf der Suche nach Wahrheit

Dass es mit der Wahrheit so eine Sache ist, sieht man ja schon daran, dass ich sagen könnte, der Mensch ist eine Fett-Eiweiß-Verbindung und damit zwar Recht hätte, aber den Punkt irgendwie auch nicht richtig treffen würde; mal ganz davon abgesehen, welchen Ärger ich mir damit bei gewissen Frauen einheimsen könnte: „Was soll ich sein? Eine Fett-Verbindung? Du Arschloch!“ Und Klatsch. Wobei, im Fitnessstudio, unter den Jungs, käme so was wahrscheinlich sogar ganz gut an. „Alter im Ernst, ne` Eiweiß-Verbindung? Is` ja geil. Dann mal ran an die Geräte!“

Es wird deutlich, dass sich bei der Suche nach Wahrheit mindestens zwei Probleme auftun. Erstens hängt das, was hinten rauskommt, immer davon ab, was man vorne reinsteckt (auf einmal habe ich Hunger), die Antwort also davon ab, welche Frage man stellt. Und zweitens hört man sowieso nur das, was man hören will oder kann. Bestünde die Antwort auf alles also aus einer mathematischen Formel, würde ich als Mathe-Noob nur wohlwollend nicken können, aber, insofern andere Zeichen als Plus und Minus im Spiel sind, wahrscheinlich kein Wort verstehen.

Erschwerend kommt bei der Suche nach Wahrheit hinzu, dass man schon alles bedenken und hierfür alles wissen müsste, um überhaupt eine adäquate Antwort zu geben. Ansonsten bleibt es bei Popper und der Mensch kann immer nur sagen, was Wahrheit nicht ist, nicht aber, was Wahrheit ist.

Alles bedenken und alles wissen, das aber kann nur einer, Gott, und insofern wäre er die Wahrheit schlechthin. Das Problem ist nur, Gott ist absolut und der Mensch tut sich als relatives Wesen gewöhnlich ziemlich schwer damit, das Absolute zu denken. Wenn nun aber Jesus daherkommt und sagt „Ich bin die Wahrheit“, dann unterstreicht dies nicht nur seinen göttlichen Ursprung, sondern dann will er damit wohl auch betonen, dass er ist es, der Gott und Mensch verbindet; die ewigen Wahrheiten also auf unser endliches Niveau herunterbricht.

Und noch etwas will er wahrscheinlich sagen: Er ist es, dessen Antwort angemessen ist; die also genau die richtige Passgröße hat. Denn Wahrheit ist nichts, was man mit der Gießkanne ausschüttet, sondern wahr ist eine Antwort immer nur, wenn sie die subjektive Frage beantwortet. Und hierfür ist etwas mehr nötig als Wissen und Vernunft; darüber hinaus nämlich auch die Fähigkeit einer größtmöglichen Empathie, um sich in den anderen hineinversetzen und somit überhaupt die Frage und deren subjektive Intention erfassen zu können. Und zusätzlich natürlich eine größtmögliche moralische Integrität, denn genauso wie der Mensch nicht nur ein rationales, sondern auch ein moralisches Wesen ist, so ist Wahrheit nicht nur eine rationale, sondern auch eine moralische Größe, die dem Guten verpflichtet ist. Das heißt, weil wir in einem moralischen Universum leben, ist es schon intuitiv nicht wahr, dass Hitler gut und Mutter Theresa böse ist. Und so gesehen muss auch eine Antwort, will sie wahr sein, es auch immer gut mit dem Fragesteller meinen.

Hat die eigene Frau also um Weihnachten herum 5kg zugenommen, dann lautet die adäquate Antwort auf die Frage „Wie sehe ich aus?“ eben nicht „Du bist ganz schön fett geworden!“, sondern vielleicht eher „Ich liebe dich und je mehr es von dir gibt, desto besser!“ Aber auch diese Antwort wäre tatsächlich nicht adäquat, denn durch Schmeicheln lösen sich die Kilos zu viel ja nicht in Luft auf. (Ich merke gerade, ich bewege mich auf ganz dünnem Eis). Wenn also jemand dank übermäßigem Süßigkeitenkonsum, sagen wir, 100kg zunimmt und schon kurz vorm Herzinfarkt steht, dann hilft es nichts zu sagen: „Ich liebe dich, mach genauso weiter!“, sondern dann wäre es angemessen, die Person in aller Liebe auf das gesundheitliche Risiko hinzuweisen.

Die Betonung dabei liegt allerdings auf „In aller Liebe“, denn es gibt einen großen Unterschied zwischen „Etwas Liebes sagen“ und „Etwas in Liebe sagen“. Und genauso gibt es einen Unterschied zwischen „Etwas Wahres sagen“ und „Etwas in Wahrheit sagen“. Und wieder einmal bin ich bei Erich Fromm, denn Liebe und und Wahrheit, die kann man nicht einfach besitzen, sondern das sind Seinszustände, in die man hineinwachsen muss. Wenn also der Mensch ohne Gott verloren geht, dann wäre es lieblos, das nicht zu erwähnen, aber auf einem anderen Blatt steht, wie man es sagt. Und in diesem Sinne wäre es, egal, ob sich das wirklich so zugetragen hat oder nicht, dann auch nicht besonders hilfreich, wenn der Pastor bei der Beerdigung auf den Sarg klopft und in die Runde ruft: „Hört ihr, er brennt schon!“

Hängt, wie gesagt, die Wahrheit aber nicht nur von der Angemessenheit der Antwort, sondern auch von der Angemessenheit der Frage ab und ist der Mensch im Allgemeinen nicht besonders gut darin, angemessene Fragen zu stellen, dann würde ich vermuten, dass sich Gott gar nicht groß von unseren Fragen abhängig macht, sondern selbst die Initiative ergreift und uns die eine wesentliche Frage stellt, auf die wir zu antworten haben. Und die eine wesentliche Frage, auf die wir zu antworten haben und in deren Beantwortung sich Wahrheit heraus kristallisiert, ich würde meinen, diese Frage lautet: „Petrus, oder wer auch immer, der Name ist austauschbar, liebst du mich?“

Warum bewahrt Gott den einen und den anderen nicht?

Gott hat mich bewahrt, höre ich hin und wieder, vor, was weiß ich, diesem und jenem, einer Krankheit, einem Unfall, meinetwegen einem Stau, in den man hineingefahren wäre, hätte man nicht rechtzeitig die Ausfahrt genommen. Mir stellt sich dabei die Frage, wenn Gott bewahrt, warum den einen und den anderen nicht? Warum bleibt der eine gesund und der andere wird krank? Warum hat der eine freie Fahrt und der andere steht im Stau? Oder ganz global: Warum haben manche mehr als genug und andere gar nichts? Oder warum wird aus der einen eine Mutter Theresa und aus dem anderen ein Charles Manson? Warum bewahrt Gott den einen und den anderen nicht? weiterlesen

Das Problem mit der Dreieinigkeit Gottes

Da s „Problem“ ist meiner Meinung nach nur eines, wenn man Gott allzu menschlich denkt; Gott also als Person denkt, so wie der Mensch Person ist. Denn dann, wenn Gott nicht Gott ist, sondern die bessere (allgütige, allmächtige, allwissende) Version eines Menschen, kommt man schnell dahin, dass Gott nicht eins ist, sondern sich aus drei (menschähnlichen) Wesen zusammensetzt. Und somit läge tatsächlich der von muslimischer Seite häufig geäußerte Verdacht nahe, dass Christen gar keine Monotheisten sind, sondern verkappte Polytheisten. Das Problem mit der Dreieinigkeit Gottes weiterlesen

Über die Dreieinigkeit Gottes

Manche sagen ja, die Bibel wäre sehr undeutlich, was die Dreieinigkeit Gottes angeht. Ich sehe das anders. Ich finde sie dafür, dass diese Wahrheit seinerzeit gerade erst geboren wurde und die Menschen erst einmal begreifen mussten, was es damit auf sich hat, schon sehr genau. Zumal es auch immer schwierig ist, dass eigentlich Unfassbare in Worte zu fassen. Oder hatte Kepler bereits eine umfassende Theorie über das Weltall? Oder Planck eine über die Quanten? Und so sollte es auch nicht verwundern, wenn am Anfang einer noch viel schwierigeren, weil transzendenten Angelegenheit keine vollständige Systematik steht. Später hat sich ja dann so einiges an Hintergrund dazu entwickelt, einen interessanten Aspekt finde ich diesen: Über die Dreieinigkeit Gottes weiterlesen

Wie greift Gott ins Leben ein?

Kürzlich war ich auf der Autobahn unterwegs. Und wie das auf deutschen Straßen so üblich ist, es dauert nicht lange und man steht im Stau. Ich will also gerade zu Schimpfen anfangen, da schalte ich das Radio an und höre, dass die Stauursache ein Unfall ist, der sich irgendwo vor mir ereignet hat. Statt zu fluchen ziehe ich es nun vor (und das klingt wahrscheinlich ziemlich fromm) für die Unfallopfer zu beten. Tatsächlich nur wenige Augenblicke später löst sich der Stau auf und ich habe wieder freie Fahrt. Wie greift Gott ins Leben ein? weiterlesen