Warum lässt Gott das Leid zu?

Frage-Ich: Alexander

Antwort-Ich: Ja.

F: Es ist Sonntag.

A: Ja.

F: Es ist wieder soweit!

A: Was?

F: Ich habe Fragen.

A: Schon wieder?

F: Leider ja.

A: Und dein Thema diesmal?

F: Leid. Warum lässt Gott Leid zu?

A: Lies meinen Blog!

F: Keine Lust. Vielleicht können wir das Wesentliche nochmals gemeinsam zusammentragen.

A: Meinetwegen.

F: Dann los, warum lässt Gott Leid zu?

A: Darauf gibt es keine wirklich befriedigende Antwort.

F: Versuchen wir es mit den Unbefriedigenden. Ich frag vielleicht mal so herum, welche Arten von Leid gibt es überhaupt?

A: So wie ich das sehe, hauptsächlich zwei, das von Menschen verursachte Leid, siehe Auschwitz oder Verkehrsunfälle, und das durch die Natur verursachte Leid, siehe Erdbeben oder Naturkatastrophen. Und dann natürlich Mischformen wie die meisten Krankheiten.

F: Beispiel?

A: Naja, macht sich gerade ein Virus breit, werde ich möglicherweise krank, die Wahrscheinlichkeit erhöht sich, wenn mir jemand in der Bahn direkt ins Gesicht niest.

F: Eklig.

A: Ja.

F: Mit dem von Menschen verursachten Leid habe ich persönlich nicht ganz so viele Probleme, da der Mensch ja streng genommen selbst dran Schuld ist. Wolfgang Niedecken von BAP hat das kürzlich in einer Talkshow mal ganz schön auf den Punkt gebracht: Nicht Gott sollte sich bei uns entschuldigen, sondern wir sollten uns für den ganzen Scheiß, den wir bauen, bei Gott entschuldigen.

A: Und dennoch könnte man natürlich fragen, ob Gott den Menschen nicht auch hätte anders schaffen können, friedlicher, vernünftiger.

F: Wir kommen darauf zurück. Lass uns dennoch erst einmal über das von der Natur verursachte Leid reden. Warum also ist die Natur nicht auch etwas friedliebender, etwas weniger gefährlich?

A: Eine aktuell beliebte Antwort darauf lautet: Die Natur ist so wie sie ist, weil sie den Menschen hervorgebracht hat. Ausgangspunkt ist das anthropische Prinzip, welches besagt, dass unter den gegebenen Naturgesetzen die Natur gar nicht anders konnte als auf kurz oder lang ein höher entwickeltes und vernunftbegabtes Wesen wie den Menschen zu evolvieren. Alternativ könnte man sich zwar eine Welt denken, die auf anderen Naturgesetzen beruht und daher friedlicher ist, aber weil andere Naturgesetze zu anderen Ergebnissen führen, wäre diese Welt eben nicht von Menschen bewohnt. Theologen sprechen diesbezüglich auch gerne von einem so genannten „Package Deal“, das heißt, weil die Naturgesetze sowohl für den Menschen als auch für das Leid verantwortlich sind, ist der Mensch nur unter den uns bekannten leidgeprüften Bedingungen zu haben, wenn ich das so formulieren darf.

F: Darfst du. Gibt es andere, vielleicht weniger evolutive Ansätze?

A: Man könnte natürlich auch sagen, dass eine Welt, die von mehr als einem Einwohner bewohnt wird, eine gewisse Eigendynamik haben muss, um allen Einwohnern gerecht zu werden. Mal also angenommen, ich wäre das einzig existierende Lebewesen und würde mich als Zusatzannahme immer vorhersehbar verhalten, dann wäre eine Welt denkbar, die auf mich hin zugeschnitten ist und mir daher optimale Lebensverhältnisse bietet, so dass die Sonne scheint und Regen fällt, so wie es für mich gerade das beste ist. Da dies aber nicht der Fall ist und die Welt von vielen Lebewesen bewohnt wird, die auch noch alle miteinander interagieren, muss die Natur ständig an den bestehenden Lebensverhältnissen herumdoktern, immer auf der Suche nach neuen, noch besser angepassten Lebensnischen. Wo aber gehobelt wird, da fallen Späne, und wo viel versucht wird, da gibt es auch viele Fehlversuche, die sich dann leider in Gendefekten oder anderen Fehlentwicklungen niederschlagen.

F: Weil also in der Natur viele Einzelakteure mehr oder weniger frei agieren und interagieren, muss auch die Natur mehr oder weniger frei sein, um die Freiheit der Einzelakteure überhaupt ermöglichen zu können?

A: Gut erkannt. Wobei es in Bezug auf die Natur vielleicht besser wäre, von Flexibilität als von Freiheit zu reden. Das heißt, schwimmen kann ich beispielsweise nur, weil sich Wasser verdrängen lässt, was wiederum für die Ameise am Beckenrand eine mittelschwere Katastrophe bedeutet.

F: Stichwort Schmetterlingseffekt.

A: Ja.

F: Trotzdem bin ich nicht sicher, ob sich damit alles erklären lässt, was ist mit Meteoriteneinschlägen?

A: Weiß ich auch nicht, trotzdem bleibe ich dabei, dass man Meteoriteneinschläge oder andere Naturkatastrophen nur in einer statisch geordneten Welt ausschließen könnte, nicht aber in einer Welt, in der eine dynamische Natur brodelt.

F: Du klingst leicht genervt, dann lass uns lieber einen Schritt weitergehen.

A: Gerne.

F: Die Bibel erweckt ja den Eindruck als sei der Mensch an allem Schuld, auch an dem von der Natur verursachten Leid.

A: Wie kommst du darauf?

F: Ich denke an das Bild vom Sündenfall. Alles ist gut. Der Mensch sündigt. Alles wendet sich zum Schlechten.

A: Ist das so? Wenn ich mich recht entsinne, ist im Paradies alles gut, dem Ort also, wo Gottes Gegenwart greifbar ist, während außerhalb des Paradieses bereits einige harte Ackerböden darauf warten, vom Menschen umgepflügt zu werden.

F: Und doch, hätte der Mensch nicht gesündigt, wäre ihm dieses Schicksal wohl erspart geblieben.

A: Dann müssen wir uns an dieser Stelle wohl fragen, was es mit dem Sündenfall auf sich hat. Der rote Faden, der sich durch die ganze Bibel zieht, ist meines Erachtens die Rede vom Bund: Ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein! Der Sündenfall macht deutlich, dass der Mensch das nicht will und stattdessen viel lieber selbst Gott spielen möchte. Denn nichts anderes bedeutet es ja, vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, oder besser übersetzt, Schlechten zu essen: Nicht Gott soll entscheiden, was für den Menschen gut und schlecht ist, sondern der Mensch will es selbst entscheiden; er will sein eigener Herr sein.

F: Wenn ich kurz dazwischen dürfte, für mich hört sich das eher so an, als strebe der Mensch nach Mündigkeit, wogegen ja eigentlich nichts zu sagen ist.

A: Berechtigter Einwand, aber Mündigkeit würde bedeuten, aus dem Guten heraus das Richtige zu tun. Der Mensch handelt aber nicht aus dem Guten heraus, sondern er tritt aus dem Guten heraus, um dann zu handeln, so wie er es selbst und für sich selbst als richtig empfindet.

F: Und als Strafe der Rauswurf aus dem Paradies und ein anstrengendes und leidgeplagtes Leben auf dem Acker?

A: Ich sehe das so: Gott schafft die Welt, und zwar nach hebräischem Schriftverständnis und übrigens auch ganz im Einklang mit der modernen Naturwissenschaft so, dass sich das bestehende Chaos langsam in Ordnung verwandelt. Meteoriteneinschläge und Naturkatastrophen könnte man diesem Verständnis nach dem noch zu verwandelnden Restchaos zuschreiben, aber das nur am Rande. Auf jeden Fall sagt Gott nach getaner Arbeit, dass alles gut ist. Es wäre möglich, dass er damit nicht nur einem ästhetischen Gefühl nachgibt, sondern, wie soll ich das formulieren, eine Inanspruchnahme geltend macht. Wenn ich also sage, der 911er ist ein gutes Auto, dann meine ich damit nicht nur, dass er gut aussieht, sondern ich bringe meinen Wunsch zum Ausdruck, ihn zu fahren und bei 300 Sachen die 500 Pferde zu spüren. Sagt Gott dasselbe über die Welt, dann bringt er damit meines Erachtens seinen Wunsch zum Ausdruck, sie in Besitz zu nehmen und in ihr wohnen zu wollen. In diesem Sinne veranschaulicht das Bild vom Paradies, was es heißt, wenn Gott die Welt mit seiner Gegenwart erfüllt. Dagegen veranschaulicht das Bild vom Acker, was es heißt, sich auf einmal abseits der Gegenwart Gottes wiederzufinden.

F: Ich ahne, wo die Reise hingehst, vielleicht jetzt die Pointe.

A: Die Pointe lautet: Wenn Gott gegenwärtig ist, wenn er unser Gott ist und wir sein Volk sind, dann wird alles gut. Die Welt ist dafür geschaffen, von Gott durchdrungen zu werden. Die Natur ist dynamisch, aber ebenso wie ein Pferd gezügelt werden muss, damit es nicht ausbricht, muss Gott die Natur zügeln, damit sie nicht ins Chaos abdriftet.

F: Und weil Gott der Herr der Natur ist, würde der Mensch, wenn er Gott als seinen Herrn anerkennt, nicht mehr von den Naturgewalten, sondern von Gott abhängig sein?

A: So ungefähr. In der Bibel heißt es ja: „Ich stehe vor der Tür und klopfe an!“ Betritt Gott unseren Lebensraum, dann wird es hell und die Finsternis und das Leid muss weichen.

F: Das klingt gut, wenngleich das Leben immer noch sehr nach Acker, nach Leid und Schmerz schmeckt, ich frage daher ganz konkret, wann hat das Warten auf Gott ein Ende?

A: Eine wichtige Frage, so wichtig sogar, dass ich sie zum Kern meiner Theodizee erklären würde. Man kann also fragen, warum Gott Leid zulässt, jedoch wird die Antwort aufgrund der menschlichen Begrenztheit immer unbefriedigend ausfallen. Man kann auch fragen, wozu Gott das Leid zulässt, allerdings besteht die große Gefahr, das Leid damit zu bonisieren, ihm also etwas Gutes abzugewinnen, was in Anbetracht von Auschwitz schnell zynisch wirkt. Natürlich ist es andererseits auch wahr, dass man im Leiden viel lernen kann und der Glaube geschärft wird, aber das ist noch lange kein Grund, es als etwas per se Gutes oder gar Gottgewolltes zu begreifen. Und daher, weil das Leid im Kern weder begreiflich noch sinnvoll ist, teile ich die Ansicht des Theologen Jürgen Moltmann, dass die Frage „Wie lange noch?“ eigentlich am meisten Früchte trägt, da sie einen Dialog mit Gott eröffnet, der sowohl Raum für Klage als auch für Hoffnung lässt.

F: Schön. Wie lange also noch?

A: Christen hoffen darauf, dass am Ende der Zeit, wenn der letzte Vorhang fällt, der Autor die Bühne betritt, um diese Welt ins Unvergängliche und somit Leidlose zu verwandeln, wie auch immer das aussehen wird. Christen glauben aber auch, dass der Same hierfür schon längst gelegt ist, beziehungsweise Gott in menschlicher Gestalt mit uns auf dem Acker steht, um das Zukünftige im Hier und Jetzt vorzubereiten; den Acker also zu lockern und den Samen zu gießen. Dass Gott aber bereits unter uns weilt, zeigt sich daran, dass in seiner Gegenwart die Dinge bereits jetzt schon anfangen sich zu verwandeln; auf dem Acker also bereits Pflanzen durchbrechen, Lahme gehen, Blinde sehen können und damals wie heute Zeichen und Wunder geschehen. Obwohl also trotz allem schlimme Dinge auf der Welt passieren, weicht die Angst einer gewissen, von seiner Gegenwart beseelten Vorfreude.

F: Das kann man, auch in Anbetracht der Zeit, sicherlich so stehen lassen, dann also jetzt noch in aller Kürze die Frage nach Auschwitz und dem von Menschen verursachten Leid. Warum kann Gott den Bösen nicht einfach davon abhalten, Böses zu tun?

A: Mit dem Theologen Klaus von Stosch gesprochen, weil Gott die Freiheit des Menschen so hoch schätzt, dass er ihn machen lässt, selbst wenn Schlimmes dabei herumkommt. Ist Gott also Liebe, dann zwingt er uns zu nichts, sondern wirbt um uns mit Mitteln der Liebe. Weil Gott aber durch Menschen um Menschen wirbt, liegt es an uns, dem liebenden Werben Gottes Gehör zu verschaffen. Ein Pfarrer hatte zu Nazizeiten einmal einen Traum, in welchem Adolf Hitler vor Gott steht und Gott ihn fragt, warum er so viel Übel über die Menschen gebracht hat. Hitlers Antwort war: Weil keiner mir gesagt hat, dass du mich liebst!

F: Ein guter Schlusspunkt, ich danke für das Gespräch. Hast du noch Literaturempfehlungen für mich?

A: Ich empfehle von Klaus von Stosch „Theodizee“, von Philip Yancey „Von Gott enttäuscht“ und von C.S. Lewis „Über den Schmerz“.

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Warum ich an Gott glaube – ein Interview

Wieder einmal war es an der Zeit, mich mit mir zusammenzusetzen, diesmal, um über den Glauben an Gott ins Gespräch zu kommen.

Frage-Ich: Alexander, lass uns über deinen Glauben reden.

Antwort-Ich: Schwierig.

F: Wieso schwierig?

A: Es ist schwierig, das Unfassbare in Worte zu fassen.

F: Du kannst nicht in Worte fassen, woran du glaubst?

A: Ich kann Gründe angeben. Aber hinter all den Gründen verbirgt sich etwas, das nur mir, und das auch nur in seltenen Momenten zugänglich ist; ein Sehen ins Unsichtbare hinein, wenn man so will; ein Gefühl von Mehr, von Ewigkeit, davon, dass Gott da ist und ich in ihm aufgehoben bin.

F: Und dieses Gefühl ist selten?

A: Leider ja, leider gibt es so viele Gewohnheitsgefühle, die dem Außergewöhnlichen den Platz rauben; Hunger zum Beispiel, Müdigkeit, Stress, Trägheit oder das Gefühl, dass Dortmund doch noch Meister wird.

F: Das heißt, der Alltag steht dem Glauben im Weg?

A: So würde ich das nicht ausdrücken, ich würde eher sagen, dass wir uns an das Leben gewöhnt haben und die Macht der Gewohnheit uns dazu zwingt, es einfach hinzunehmen, abzuarbeiten, aber nicht mehr zu hinterfragen und auch im Alltäglichen offen für das Ungewöhnliche zu sein.

F: Dann lass uns jetzt, wo wir hier beim sonntäglichen Tee so gemütlich beieinander sitzen, die Gelegenheit nutzen, das Ungewöhnliche doch noch zu fassen zu kriegen, ich frag daher noch einmal konkret, woran glaubst du?

A: Ohne dir das Heft aus der Hand nehmen zu wollen, vielleicht sollte man zunächst einmal fragen, unter welchen Bedingungen ich überhaupt bereit bin, an etwas zu glauben.

F: Meinetwegen, unter welchen Bedingungen bist du bereit, überhaupt an etwas zu glauben?

A: Oder noch besser, vielleicht sollte man damit anfangen zu fragen, unter welchen Bedingungen ich nicht glauben würde.

F: Wie du meinst, also?

A: Also was?

F: Unter welchen Bedingungen würdest du nicht glauben?

A: Schön, dass du fragst, zum Beispiel unter denen, dass Gott nur das abstrakte Resultat einer Denkanstrengung oder eines Gefühls wäre, das ich in mir trage. Das wäre mir zu wenig, um darauf mein Leben aufzubauen. Zudem mein Denken und meine Gefühle mich oft genug in die Irre leiten. Nein, wenn es einen Gott gibt, an den ich glauben soll, dann kommt er um eine Selbstoffenbarung nicht herum.

F: Aber angenommen, Gott würde sich uns tatsächlich offenbaren, dann erleben wir dies, mit Kant gesprochen, ja nicht unmittelbar, sondern nur mittelbar über unsere Sinne, Gedanken und Gefühle. Das heißt, wir sind auch in diesem Fall von unseren Gedanken und Gefühlen abhängig, die uns täuschen können.

A: Das ist richtig, jedoch ist es ein Unterschied, Gott lediglich zu denken ober über Gott nachzudenken. Das heißt, erst wenn sich Gott offenbart, steht eine konkrete Wahrheit im Raum, die ich mit meinen Mensch gegebenen Mitteln überprüfen kann. Ebenso ist es ja auch ein Unterschied, an UFOs zu glauben oder plötzlich ein notgelandetes UFO im Garten stehen zu haben und entscheiden zu müssen, ob dieses untertassenförmige Gebilde tatsächlich ein UFO ist.

F: Verstehe. Nur mit UFOs ist es ja meistens so, dass UFO-gläubige Personen nur irgendein flackerndes Licht am Himmel sehen müssen und schon davon überzeugt sind, wieder einmal eine Begegnung der dritten Art gehabt zu haben. Es hängt also vom Interpretationsrahmen ab. Glaube ich an UFOs, dann sehe ich überall UFOs. Glaube ich an Gott, dann sehe ich überall Gott.

A: Da muss sich natürlich jeder selbst fragen, wie überzeugend die eigenen Überzeugungen und Vorannahmen sind. Bezogen auf Gott würde ich schon sagen, dass es nicht nur gute Gründe dafür gibt, dass Gott existiert, sondern auch gute Gründe, dass Gott, sofern er existiert, an einer Selbstoffenbarung gelegen ist.

F: Und welche Gründe wären das?

A: Zunächst einmal würde ich mit Karl Rahner sagen: Von nichts kommt nichts. Weil die Natur aber nicht nur sächlich, sondern auch personal ist und somit Eigenschaften wie Vernunft und Liebe beinhaltet, würde ich induktiv annehmen, dass die Natur nicht nur von einem Gott geschaffen ist, sondern dass dieser Gott ebenso ein personales Wesen ist. Egal also, wer Gott ist, wenn er die Welt geschaffen hat, darf er nicht weniger sein als die Welt; nicht weniger also als Person, Vernunft und Liebe.

F: Und weil du davon ausgehst, dass Gott Person ist und dass der Mensch Person ist, schließt du daraus, dass Gott und Mensch „beziehungskompatibel“ sind und die Welt daher auf eine Selbstoffenbarung Gottes ausgelegt ist.

A: So könnte man das ausdrücken, ja; vielleicht mit dem Zusatz, dass Gott meinem Verständnis nach ja nicht nur Person, sondern Liebe ist, also Liebe in Person, wobei Liebe nie für sich bleibt, sondern immer die Nähe des Anderen, des Geliebten sucht.

F: Wie aber soll ich mir vorstellen, dass Gott sich selbst offenbart? Denn wenn ich das richtig sehe, hat er, wenn er die Welt geschaffen hat, und die Ursache größer ist als die Wirkung, keinen Platz in der Welt, ebenso wenig wie der Eiffelturm hier in diesem Zimmer Platz finden würde. Wo und wie findet also die Selbstoffenbarung statt?

A: Nun, hat Gott die Welt geschaffen, dann hat er auch die Endlichkeit geschaffen und ist somit selbst unendlich. Definiert man den Menschen als endliches Wesen aber so, dass es etwas gibt, das ihn begrenzt, dann gibt es für Gott als unendliches Wesen nichts, das ihn begrenzt. In diesem Sinne steht er als Schöpfer einerseits über der Schöpfung, aber durchdringt sie andererseits auch, da auch die Schöpfung ihn nicht begrenzt. Einen Zuschauergott, wie ihn der Deismus annimmt, kann es also so gesehen nicht geben. Wenn er aber alles durchdringt, dann kann er sich auch theoretisch in allem offenbaren.

F: Das heißt, Gott offenbart sich in der Schöpfung, in der Natur?

A: Die Schöpfung zeugt von einem Schöpfer, aber wenn sich Gott explizit offenbart, dann findet, weil er Person ist, eine Ansprache statt. In der Bibel finden sich hierfür Bilder wie zum Beispiel der brennende Dornbusch oder der rauchende Berg, aus oder auf dem Gott spricht.

F: Und wenn Gott spricht?

A: Es hat wahrscheinlich seinen Grund, dass die Ansprache Gottes in der Bibel oft mit einem „Du sollst!“ verbunden ist. Denn ist Gott wirklich an einer Beziehung zum Menschen gelegen, und beruht Beziehung auf einer gegenseitigen freiheitlichen Entscheidung füreinander, dann muss Gott den Menschen zunächst einmal zur Freiheit befähigen. Dies tut er, indem er Gebote aufstellt, die der Mensch befolgen soll, und ihn dadurch zur Mündigkeit erzieht. Frei handelt der Mensch also nicht, wenn er so darf wie er will, denn dann wäre er Sklave seiner selbst. Frei handelt er auch nicht, indem er so muss wie Gott will, denn dann wäre er Sklave Gottes. Wirklich frei handelt er, wenn er etwas tut, was er vielleicht gar nicht tun will, aber insgeheim weiß, dass er es tun sollte.

F: Verstehe ich nicht, bitte noch einmal.

A: Naja, wärst du nicht ein zugegebenermaßen äußerst attraktiver Mann, sondern eine attraktive Frau, und wir hätten eine Beziehung, dann könnte das nur funktionieren, wenn einer den anderen weder zu etwas zwingen noch für seine eigenen Zwecke ausnutzen würde. Moral hilft uns dabei, den Blick von unserem eigenen Nabel ab- und dem Anderen zuzuwenden, auch wenn man sich möglicherweise viel lieber um die eigene Achse drehen würde.

F: Alles klar. Wenn Gott uns aber zwar durchdringt, uns jedoch aufgrund seiner Wesensverschiedenheit verborgen bleibt, besteht dann nicht die Gefahr, Gott und Moral miteinander zu verwechseln, so dass sich die Qualität der Beziehung alleine dadurch definiert, dass man moralisch lebt und sich somit im Einklang mit Gott befindet, ohne dass Gott ein echtes Gegenüber und Ansprechpartner ist?

A: Das würde ich ähnlich formulieren, und daher gipfeln der christliche und somit ja auch mein Glaube darin, dass Gott Mensch wird und dadurch eine echte Beziehung auf Augenhöhe stattfinden kann. Oder um es trinitarisch auszudrücken: Gott wacht als Vater über den Menschen, Gott wohnt als Geist in den Menschen, Gott lebt aber auch als Bruder unter den Menschen. Das heißt, indem Gott Mensch wird, wird er buchstäblich begreifbar; Gott der Vater umgreift uns, aber Gott, den Sohn, kann der Mensch umgreifen.

F: Und im Hier und Jetzt, was bedeutet das für deinen persönlichen Glauben?

A: Ich denke, ohne die Person Jesus würde es mir generell schwer fallen, überhaupt an Gott zu glauben. Es macht für mich Sinn, dass Gott, sofern ihm an einer Beziehung zu uns gelegen ist, sich auf unser Niveau herablassen muss. Es ist aber auch klar, dass Gott sich nicht auf unser verkommendes moralisches Niveau herablassen kann, sondern ganz im Gegenteil, uns auf sein moralisches Niveau heraufziehen will. Und deswegen wird Gott ja auch nicht nur Mensch, um dem Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, sondern Gott wird Mensch, um die Welt in Ordnung zu bringen, beziehungsweise, Ostern steht vor der Tür, in der Kraft seiner Auferstehung die Tür zu einer Ordnung mit Ewigkeitsqualität aufzustoßen.

F: Und noch einmal gefragt, was heißt das für dich persönlich?

A: Glauben heißt für mich einerseits, in diese Geschichte, dass Gott Mensch wird, einzutauchen. Diesbezüglich kann man die Bedeutung der Bibel wohl nicht hoch genug hängen, die mich in die vergangenen Großereignisse mit hineinnimmt und sie mir gleichzeitig aufschließt. Glauben heißt für mich andererseits aber auch, die Geschichte fortzuschreiben, indem ich meinen Teil dazu beitrage, die Welt unter die Ordnung Gottes zu bringen. Und wiederum trinitarisch formuliert, heißt Glauben für mich schließlich und zusammenfassend, die Gegenwart Gottes über mir, in mir und neben mir Wirklichkeit werden zu lassen, was zugegebenermaßen ein wohl lebenslanges Unterfangen ist.

F: Warum?

A: Ich würde sagen, weil unabhängig von menschlichen Zweifeln und Unzulänglichkeiten weder ich noch die Geschichte vollendet sind und daher Glauben immer auch bedeutet, auf eine Vollendung der Dinge in der Zukunft zu hoffen.

F: Ich danke für das Gespräch.

(Weitere) Gedanken zur Trinität Gottes

Die Trinität Gottes leite ich mir, wie bereits erwähnt und ganz im Sinne der sozialen Trinitätslehre so her, dass Gott einerseits vollkommen und andererseits Liebe ist, also so gesehen vollkommene Liebe. Da nun Gott nicht von seiner Schöpfung abhängig ist, muss man ihn auch für sich genommen, ohne Schöpfung, denken können. Ist er aber seinem Wesen nach vollkommene Liebe, dann ist er auch für sich genommen, ohne Schöpfung, vollkommene Liebe. So gesehen kann er ein Einzelner deswegen nicht sein, weil eine nur auf sich selbst konzentrierte Liebe weit von dem Idealbild einer vollkommenen, sich selbst verschenkenden Liebe entfernt ist. Würde er aber aus diesem Grund nicht eine, sondern zwei Personen in sich vereinen, dann wäre seine Liebe zwar immerhin nicht mehr nach innen gekehrt, sondern auf ein Gegenüber gerichtet, jedoch entspräche dies auch nicht dem Idealbild vollkommener Liebe, da zwei, die sich gegenüber stehen, erst eins werden, indem sie sich gemeinsam auf etwas Drittes ausrichten. In einem ewigen Wechselspiel der Liebe würden sich also demnach Gott Vater und Gott Geist um Gott Sohn drehen, Gott Sohn und Gott Geist um Gott Vater und Gott Vater und Gott Sohn um Gott Geist.

So weit, so gut, das Problem ist natürlich jetzt, dass eine Vorstellung, die Gott in drei Personen unterteilt, in großer Gefahr steht, die Einheit Gottes auf eine nicht mehr mit dem Monotheismus vereinbare Weise zu unterlaufen.

Nun sollte man mit allzu menschlichen Bildern immer vorsichtig sein, wenn man von Gott spricht, aber um trotzdem an der Trinitätslehre festzuhalten, würde ich einen Vergleich zum menschlichen Bewusstsein ziehen wollen, das ja nicht einfach da ist, sondern auf einer einzigartigen neuronalen Struktur sattelt. Demgemäß kann ich mir vorstellen, dass auch Gott zwar keine neuronale, aber eine wie auch immer geartete einzigartige Wesensstruktur besitzt, aus der allerdings nicht nur eine, sondern drei Bewusstseinsformen hervorgehen. Ähnlich vielleicht einer Software, die auf Notebook, Tablet und Handy zum Einsatz kommt, wobei sie durch die unterschiedlichen Geräte hindurch dazu imstande ist, mit sich selbst zu kommunizieren.

Krieg und Strafe im alten Testament

Wie ist das eigentlich zu erklären, dass ein liebender Gott, der das Beste für den Menschen will, im Alten Testament Kriege und Strafen anordnet? Eine hierfür eigentlich notwendige historisch-kritische Analyse einmal weggelassen, mache ich es mir an dieser Stelle ganz einfach und sage: Der Mensch ist ein Instrument Gottes, dazu geschaffen, seine Melodie zu spielen. Spricht die Bibel von dem (Sünden-)Fall des Menschen, dann heißt dies in meiner Sprache: Das Instrument ist verstimmt. Will Gott darauf aber trotzdem seine Melodie spielen, dann trifft er die richtigen Töne nur, wenn er falsch spielt.

Jemanden wegzusperren ist also zum Beispiel falsch. Hat dieser Jemand allerdings wen anders umgebracht, dann wird aus dem Falsch auf einmal ein Richtig, weil im Ergebnis durch Strafe und Gefängnis die durch den Mord entstellte Ordnung wieder (teilweise) hergestellt wird.

Weil es aber irgendwann auch nervt, ein Instrument ständig falsch spielen zu müssen und weil sich das Instrument auch nicht von selbst stimmt, kann es auf Dauer nur eine Lösung geben, und diesen Ausblick gewährt die Bibel von Beginn an: dass der Instrumentenbauer selbst tätig wird und den Schaden ein- für allemal repariert.

Widersprüche(?) in der Bibel am Beispiel der Kreuzworte

Matthäus schreibt in seinem Evangelium: „Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?…Und Jesus schrie abermals laut auf und verschied.“

Markus formuliert es in seinem Evangelium ähnlich.

Lukas schreibt in seinem Evangelium: „Und es kam eine Finsternis über das Land bis zur neunten Stunde…Und Jesus rief laut aus: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ Und als er das gesagt hatte, verschied er.“

Johannes schreibt in seinem Evangelium: „Danach spricht Jesus: „Mich dürstet!“…Als nun Jesus den Essig genommen hatte, spricht er: „Es ist vollbracht!“ und neigte das Haupt und verschied.“

Die Frage ist nun, was hat Jesus am Kreuz wirklich gesagt, bzw. wenn drei von vier Evangelisten Jesus anders zitieren, müssen nicht mindestens zwei davon lügen?

Dies und andere scheinbare Widersprüche in der Bibel aufgreifend, verweist der englische Theologe  N.T. Wright auf Zeugenberichte nach einem Unfall. D.h. haben vier Zeugen den gleichen Unfall beobachtet, dann wird man notgedrungen vier unterschiedliche Zeugenberichte erhalten, da jeder den Unfall (aus seinem subjektiven Blickwinkel heraus) anders erlebt hat. Wären dagegen die vier Zeugenberichte völlig identisch, dann hätten sich die Zeugen höchstwahrscheinlich abgesprochen und ihre Berichte wären nutzlos.

Jesus stirbt am Kreuz nun nicht von jetzt auf gleich, sondern er stirbt über mehrere Stunden hinweg. Vermutlich hat er in dieser Zeit vieles gesagt (geschrien, gestöhnt, geflüstert) – aufgeschrieben haben die Evangelisten aber nur, was sie erstens mitbekommen haben und zweites für ihren Bericht bedeutend war. D.h. die Evangelisten sind keine Protokollanten, die stur aufschreiben, was sie hören, sondern sie fügen das, was sie hören, in den von ihnen gewählten Interpretationsrahmen ein. Liest man zwei Biografien über Helmut Schmidt, wird man mit dem gleichen Phänomen konfrontiert, da jeder Biograph, je nach Blickwinkel, erstens unterschiedliche Schwerpunkte setzt und zweitens die Schwerpunkte unterschiedlich ausleuchtet.

Glaubt man nun, dass die vier Evangelisten beim Schreiben vom Heiligen Geist inspiriert waren, dann ist Wahrheit nicht nur eine Frage der Historizität, sondern auch eine Frage der Geschichtsdeutung. D.h. wie beim Unfall ergibt sich Wahrheit nicht allein daraus, dass man etwas, das man hört oder sieht, aufschreibt, sondern Wahrheit entsteht, wenn man das, was man hört und sieht, verstehen will und hierfür in einen größeren Interpretationsrahmen einordnet. Genauso also wie der Kriminalbeamte danach fragt, wer die Unfallbeteiligten sind und was dem Unfall vorausgegangen ist, interpretieren die vier Evangelisten das Kreuzgeschehen auf das hin, was sie über Jesus und seine Vorgeschichte wissen und weitergeben wollen.

Indem Matthäus nun den Satz „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ herausgreift, interpretiert er das Kreuzgeschehen im Rahmen von Psalm 23 und legt den (theologischen) Schwerpunkt darauf, dass Jesus als Mensch und stellvertretend für die Menschen stirbt. Besteht die Schuld des Menschen also darin, dass er sich von Gott abwendet und folgt daraus, dass der Mensch das Leben alleine händeln muss, dann erfährt Jesus, indem er am Kreuz stellvertretend für die Menschen stirbt, am eigenen Leib, wie es sich anfühlt, von den Feinden überwältigt zu werden, ohne dass Gott eingreift.

Weil es (auch aus didaktischen Gründen) für die Textredaktion wichtig ist, in dem einmal gewählten Interpretationsrahmen zu bleiben, ist die Frage „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ der letzte (artikulierte) Satz, den Jesus im Matthäusevangelium von sich gibt. Dies bedeutet allerdings nicht, dass Jesus den Lukas-Satz „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ gar nicht gesagt hat, sondern lediglich, dass Matthäus ihn aus narrativen Gründen auslässt. Indem man also wie Matthäus (oder Markus, Lukas oder Johannes) einen Text auf das subjektiv Wesentliche verkürzt, nimmt man in Kauf, dass man andere objektiv wichtige Passagen ausklammert und demzufolge Passagen aneinanderreiht, obwohl dazwischen eigentlich noch etwas passiert.

Im Gegensatz zu Matthäus bezieht sich Lukas mit dem Satz „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ aus den Psalm 31 und betont damit, dass Gott, obwohl sich der Mensch von ihm abwendet, am Ende doch der ist, auf den man sich auch in der selbst verschuldeten Not verlassen kann. Während Matthäus also die Schuld des Menschen betont, für die und infolge derer Jesus stirbt, betont Lukas die Treue Gottes, auf die man sich am Ende verlassen kann.

Auch wenn es gute (didaktische) Gründe dafür gibt, die Not zu betonen, die Jesus am Kreuz erleidet, heißt dies allerdings nicht, dass Matthäus Jesus hoffnungslos sterben lässt. Denn laut dem katholischen Religionsphilosophen Jörg Splett ist es in der jüdischen Erzähltradition scheinbar üblich, den Anfang eines Psalms zu zitieren und damit den ganzen Psalm anzudeuten. Insofern Jesus im Matthäusevangelium also den (hoffnungslosen) Anfang von Psalm 22 zitiert, klingt darin bereits das unbedingte Vertrauen auf Gott an, mit dem der Psalm endet.

Was können wir wissen? Kant und die Dreieinigkeit Gottes

Die erkenntnistheoretische Antwort auf Kants Transzendentalphilosophie ist m.E. die Dreieinigkeit Gottes. Denn natürlich ist es wahr, dass wir Gott nicht denken können, weil unser Denken an Zeit und Raum gebunden ist. Und natürlich nehmen wir die Welt nicht so wahr wie sie ist, sondern nur so, wie sie uns vorkommt. D.h. wir können uns kein objektives Bild von der Welt machen, da alles, was sich in der Welt befindet, erst einmal unsere Sinne durchlaufen muss und  anschließend mithilfe unseres Denkvermögens subjektiv interpretiert wird. Farben zum Beispiel. Farben kommen in der Welt nicht vor, sondern wir sind es, die den Sinneseindruck interpretieren und als Farbe in die Welt hineinlesen. Wem nun mehr Wirklichkeit innewohnt, der farblosen Welt oder unserer gefärbten Wahrnehmung, ist schwer zu sagen; zumindest für uns selbst ist die subjektive Wirklichkeit wirklicher als die Wirklichkeit da draußen, was ja auch schon deshalb so sein muss, weil sie mehr in uns bewirkt, z.B. das Gefühl der Erhabenheit, wenn wir einen roten Sonnenuntergang sehen.

Das Problem aber, dass wir Gott nicht erkennen können, weil unser Denken an Raum und Zeit gebunden ist, das ist im christlichen Glauben insofern gelöst, als dass Gott in Raum und Zeit – in der Person Jesus Christus – Wirklichkeit geworden ist. Was wir demnach von Gott wissen können, ist das, was am Menschen Jesus sichtbar wird.

Und das Problem, dass uns die objektive Welt verschlossen ist, weil wir sie nur subjektiv oder höchstens intersubjektiv (durch Austausch mit anderen Menschen) erfahren, ist im christlichen Glauben insofern gelöst, als dass Gott durch den Heiligen Geist in uns wohnt und wir somit einen unmittelbaren Zugang zu Gott haben. D.h. Gott umgeht unsere natürlichen Sinne und klingt sich auf übernatürliche Weise direkt in unser Denken ein, weiß Gott, wie er das macht. Und das ist keine Floskel, denn tatsächlich weiß nur Gott, wie er das macht. D.h. weil wir nach wir vor in Raum und Zeit verhaftet sind, hört unsere Wahrnehmung an der Schwelle zum Raum- und Zeitlosen auf und wir können zwar feststellen, dass Gott in der Welt und in uns wirkt, aber wir können uns das nicht erklären; wir können höchstens in der Evidenz seines Wirkens einen Hinweis darauf entdecken, dass seine Wirklichkeit in unserer Wirklichkeit wirkmächtig und daher wirklich ist.

Wohnt Gott aber in uns, dann stellt sich das Problem, dass wir nicht zwischen uns und ihm – zwischen dem, was wir selbst denken und dem, was er in unser Denken hineinlegt – trennscharf unterscheiden können. Dies allerdings birgt zwei große Gefahren. Erstens, Gott in der Form misszuverstehen, dass man sein Reden mit dem eigenen inneren Monolog verwechselt. Und zweitens, Gott in der Form zu missbrauchen, dass man so tut, als hätte er geredet, um damit dem eigenen Reden Gewicht zu verleihen. Beide Gefahren umgeht man m.E., indem man Gott trinitarisch denkt, bzw. das Reden des Heiligen Geistes an das Reden vom Sohn koppelt. Der Heilige Geist redet also nicht kraft seiner selbst und über sich, sondern kraft des Vaters und über den Sohn. Führt er uns, wie Jesus das formuliert, in alle Wahrheit, dann ist es seine Aufgabe, das Reden und Handeln Jesu von falschen und subjektiven Interpretationsweisen zu bereinigen und uns gleichzeitig zu helfen, die göttlich-objektiven Wahrheiten auf unsere subjektive Erfahrungswelt herunterzubrechen.

Warum so sein zu wollen wie Gott böse macht

Die Nadel ist zwar etwas abgekühlt, aber dennoch will ich noch einmal auf den letzten Beitrag zurückkommen. Und zwar beruht er auf der Erkenntnis, dass Adam und Eva vor dem Sündenfall ausschließlich positiv von Gott gedacht haben müssen. D.h. Gott war für sie jemand, der sich um sie kümmert, der für sie da ist und dem sie vollkommen vertrauen können – dessen Liebe also für die Menschen selbst diejenige einer Mutter Theresa tausendfach übersteigt. Und in diesen Kontext hinein macht ihnen die Schlange auf einmal das Angebot, wenn sie von einem bestimmten Baum essen, dann werden sie sein wie Gott. Also gemäß ihrem Verständnis von Gott genauso gut, fürsorglich und liebevoll. Warum so sein zu wollen wie Gott böse macht weiterlesen

Was ist die größte Sünde?

Was ist eigentlich die größtmögliche Sünde? Ich würde meinen, die größtmögliche Sünde ist die, welche alle anderen Sünden nach sich zieht. Und welche Sünde das ist, da spricht die Bibel gleich am Anfang eine klare Sprache: Der Mensch will so sein wie Gott! Wenn das aber die größtmögliche Sünde ist, so sein zu wollen wie Gott, müsste man fragen: Wer ist Gott? Und diesbezüglich lautet seine Selbstauskunft: Ich bin, der ich bin! So sein zu wollen wie Gott, würde demnach bedeuten, so zu sein wie man ist, bzw. so sein zu wollen wie man ist, also davon auszugehen, dass man genauso, wie man ist, richtig ist. Und das hört man eigentlich ziemlich oft: Ich bin, was ich bin, und das ist auch gut so. Was ist die größte Sünde? weiterlesen

Unterschied zwischen evangelischer & katholischer Kirche

Was braucht man dicke Bücher, wenn man mich hat? Also los, in zwei Sätzen den Unterschied zwischen katholischer und evangelischer Kirche erklärt: Ich würde sagen, im katholischen Selbstverständnis ist das Bewahren tief verwurzelt, denn der katholischen Kirche ist, siehe Petrus, die Urlehre anvertraut, die es vor dem Zeitgeist zu beschützen gilt; und in dieser Tradition steht sie. Dem gegenüber ist im evangelischen Selbstverständnis das Hinterfragen tief verwurzelt, denn die evangelische Kirche wurde, siehe Luther, überhaupt erst ins Leben gerufen, um gegen bestimmte Fehlentwicklungen in der Kirche zu protestieren.

Beides hat natürlich seine Berechtigung, und daher würde ich vielleicht so sagen: Je mächtiger eine Institution, und die Kirche ist eine sehr mächtige Institution, desto wichtiger ist das regulative Moment. Je schnelllebiger aber die Zeit, und wir leben in einer sehr schnelllebigen Zeit, desto wichtiger ist das bewahrende Moment. Andersherum wäre blöd, denn will man das Mächtige ausschließlich beschützen, dann beschützt man auch den Machtmissbrauch. Will man dagegen in einer schnelllebigen Zeit das Korrekturbedürftige korrigieren, dann tut man das, weil man ja selber von der Zeit beeinflusst ist, meistens „auf die Schnelle“ und somit vorschnell und nicht sehr nachhaltig. Und zudem gilt: Da der Zeitgeist seine Meinung genauso schnell wechselt wie Frauen ihre Schuhe, ist er im Allgemeinen nicht besonders gut darin, zwischen wahr und falsch – zwischen korrekt und korrekturbedürftig – zu unterscheiden.

Ich bin übrigens evangelisch.

Das Problem mit der Dreieinigkeit Gottes

Da s „Problem“ ist meiner Meinung nach nur eines, wenn man Gott allzu menschlich denkt; Gott also als Person denkt, so wie der Mensch Person ist. Denn dann, wenn Gott nicht Gott ist, sondern die bessere (allgütige, allmächtige, allwissende) Version eines Menschen, kommt man schnell dahin, dass Gott nicht eins ist, sondern sich aus drei (menschähnlichen) Wesen zusammensetzt. Und somit läge tatsächlich der von muslimischer Seite häufig geäußerte Verdacht nahe, dass Christen gar keine Monotheisten sind, sondern verkappte Polytheisten. Das Problem mit der Dreieinigkeit Gottes weiterlesen