Unterschied zwischen evangelischer & katholischer Kirche

Was braucht man dicke Bücher, wenn man mich hat? Also los, in zwei Sätzen den Unterschied zwischen katholischer und evangelischer Kirche erklärt: Ich würde sagen, im katholischen Selbstverständnis ist das Bewahren tief verwurzelt, denn der katholischen Kirche ist, siehe Petrus, die Urlehre anvertraut, die es vor dem Zeitgeist zu beschützen gilt; und in dieser Tradition steht sie. Dem gegenüber ist im evangelischen Selbstverständnis das Hinterfragen tief verwurzelt, denn die evangelische Kirche wurde, siehe Luther, überhaupt erst ins Leben gerufen, um gegen bestimmte Fehlentwicklungen in der Kirche zu protestieren.

Beides hat natürlich seine Berechtigung, und daher würde ich vielleicht so sagen: Je mächtiger eine Institution, und die Kirche ist eine sehr mächtige Institution, desto wichtiger ist das regulative Moment. Je schnelllebiger aber die Zeit, und wir leben in einer sehr schnelllebigen Zeit, desto wichtiger ist das bewahrende Moment. Andersherum wäre blöd, denn will man das Mächtige ausschließlich beschützen, dann beschützt man auch den Machtmissbrauch. Will man dagegen in einer schnelllebigen Zeit das Korrekturbedürftige korrigieren, dann tut man das, weil man ja selber von der Zeit beeinflusst ist, meistens „auf die Schnelle“ und somit vorschnell und nicht sehr nachhaltig. Und zudem gilt: Da der Zeitgeist seine Meinung genauso schnell wechselt wie Frauen ihre Schuhe, ist er im Allgemeinen nicht besonders gut darin, zwischen wahr und falsch – zwischen korrekt und korrekturbedürftig – zu unterscheiden.

Ich bin übrigens evangelisch.

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Jesus und der Koran

Will man das Christentum mit dem Islam vergleichen, dann sind die beiden wesentlichen Vergleichspunkte nicht Jesus und Mohammed, sondern Jesus und der Koran, denn nur diese beiden nehmen für sich in Anspruch, Gottes Wort zu sein. Stellt man also Jesus dem Koran gegenüber, dann fällt auf, dass der moralische Anspruch, den Jesus an den Menschen stellt, noch einmal um Längen radikaler ist als der Anspruch des Korans. Denn z.B. steht im Koran auf Mord die Todesstrafe. Ebenso wie im alten Testament der Bibel. Jesus hingegen geht das nicht weit genug, seiner Meinung nach hat man bereits die Todesstrafe verdient, wenn man jemanden in Gedanken umbringt, was schon dann der Fall ist, wenn man ihn hasst oder einen Idioten nennt.

Logischerweise hat es unter diesen Voraussetzungen der Koran mit dem Justizvollzug einfacher als Jesus. Denn wenn jeder hunderttausendste Mensch einen Mord begeht, dann müssen lediglich 0,001% aller Menschen mit dem Tod bestraft werden, während die übrigen 99,999% mit dem Leben davon kommen. Bei Jesus sieht die Sache anders aus, denn wenn man ehrlich ist, sind es volle 100%, an denen die Todesstrafe vollzogen werden müsste. Selbstredend muss jemand, der ein derart radikales Konzept von Schuld hat, sofern ihm etwas an der Menschheit liegt und er nicht allesamt verdammen will, ein ebenso radikales Konzept von Gnade haben. Und so ist es Jesus dann auch, der die Menschheit eben nicht verdammt, sondern sich vor die Menschheit stellt, um an ihrer Stelle verdammt zu werden, so wie Mose ja bereits schreibt:

„Verflucht ist jeder, der am Holz hängt.“

Nun könnte man fragen, wenn das die Konsequenz ist, dass einer sterben muss, nur weil man seinen Nachbarn einen Idioten genannt hat, ob Jesus nicht vielleicht etwas übers Ziel hinaus geschossen ist. Auf der anderen Seite: Den Drang, schlecht über jemanden zu denken, kann man vielleicht zwei Wochen unterdrücken. Den Drang, über jemanden, über den man schlecht denkt, auch schlecht zu reden, vielleicht zwei Monate. Den Drang, jemanden, über den man schlecht redet, auch Schlechtes anzutun, vielleicht zwei Jahre. Aber wenn der Mensch wirklich für die Ewigkeit geboren ist, dann kann es nicht darum gehen, irgendetwas so lange wie möglich zu unterdrücken, sondern dann darf dieses Irgendetwas – das Monster in uns (ich erinnere an den alten gleichnamigen Extreme-Klassiker, auch Nuno ist ein Grund, warum ich an Gott glaube) – überhaupt nicht existieren.

Im Anbetracht der Ewigkeit kann es so gesehen letztendlich nicht darum gehen, dass der Mensch sich anstrengt, irgendetwas zu überwinden, was er aus eigener Kraft gar nicht überwinden kann, sondern dann muss Gott diesem Irgendetwas – das Monster, das Böse, dysfunktionale neuronale Strukturen – ein Ende setzen.

Ist jemand schwer krank, sagt man gemeinhin, er ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Ist die ganze Menschheit krank, dann ist sie es, die einen Schatten hat. Ist Jesus für die gesamte Menschheit gestorben, dann liegt der Schatten auf ihm (weswegen es zum Zeitpunkt seines Todes möglicherweise auch zu einer Sonnenfinsternis gekommen ist). Ist Jesus auferstanden, dann ganz ohne Schatten. Ist er der Erste von Vielen, die es ihm gleichtun werden, dann bleibt auch unser Schatten im Grab – dann sind wir nicht mehr nur ein Schatten unserer selbst, sondern dann sind wir endlich ganz wir selbst.

Jesus im Koran

Ich habe gerade im Koran ein wenig nach Jesus gestöbert; und ich muss schon sagen, Mohammed war durchaus ein Kenner der Bibel. Und nicht nur das, im Koran erfährt man, dass sowohl die jüdische Thora als auch die christlichen Evangelien dem Koran vorausgehende Offenbarungen Gottes sind, siehe z.B. Sure 3,3: Jesus im Koran weiterlesen

Meine Gedanken zum Buddhismus

Ich will es direkt vorweg schicken, ich mag den Buddhismus nicht besonders. Vornehmlich deshalb, weil ich mich selbst eigentlich ganz gerne habe und deshalb überhaupt keine Lust darauf habe, irgendwann einmal nicht mehr zu sein. Darauf aber – da machen wir uns nichts vor – läuft es doch letztendlich hinaus. Denn Buddhas radikale Lehre war nun einmal die des Nicht-Selbst (Annata), also die, das sich alles in einem kontinuierlichen Wandel befindet, welcher weder vor Objekten noch vor Subjekten (also auch nicht vor mir selbst) haltmacht. Die ganze Reise mündet dann irgendwann im Nirwana, wo man – eins geworden mit allem Anderen, ohne eigene Identität – glückselig dahinschwebt. Wie aber das Nirwana Glück bedeuten kann, wo Glück doch immer ein Subjekt voraussetzt, welches Glück empfindet, das müsste man mir noch einmal erklären. Meine Gedanken zum Buddhismus weiterlesen

Meine Gedanken zum Hinduismus

Weil der Hinduismus – bedingt durch die vielen Strömungen, die ihn innerhalb der letzten 4000 Jahre durchzogen haben – eine ziemlich wandelbare und auch heterogene Religion ist, fällt es schwer, ihn in einem einheitlichen Bild zu skizzieren. Verbindendes Element ist wahrscheinlich das Kastensystem und die damit verbundene Vorstellung der Reinkarnation. D.h. die ganze Welt ist hierarchisch geordnet. Auf der untersten Seinsstufe steht die unbelebte Materie, dann kommen Pflanzen, Tiere, Menschen und zuletzt die Götter. Entsprechend dem Kastendenken gibt es auf den einzelnen Stufen dann weitere Abstufungen, so dass z.B. auf der Stufe der Menschen manche einen höheren Seinsrang genießen als die anderen. Reinkarnation setzt nun voraus, dass die unterschiedlichen Seinsstufen durchlässig sind, so dass sie von den Seelen durchwandert werden können. Da nicht nur der Mensch, sondern alles beseelt ist, vollzieht sich die Seelenwanderung (Samsara) entsprechend von der unbelebten (aber nicht unbeseelten) Materie bis hoch zu den Göttern. Maßstab, anhand dessen wenigstens beim Menschen die Seele eingestuft wird, ist sein Verhalten, d.h. bei gutem Verhalten (daraus folgt ein gutes Karma) geht’s die Treppe hoch, bei schlechtem die Treppe runter. Meine Gedanken zum Hinduismus weiterlesen

Ringparabel: Sind alle Religionen gleich?

Lessings Ringparabel wird gerne mal herangezogen, um im guten aufklärerischen Sinne deutlich zu machen, dass es gar nicht so sehr darauf ankommt, woran man glaubt, da doch eigentlich alle Religionen gleich wahr (oder falsch) sind. Ringparabel: Sind alle Religionen gleich? weiterlesen