Gedanke zur Willensfreiheit: Jeder ist sich selbst der Größte

Bezüglich der Sache mit dem freien Willen erinnere ich mich an ein Fallbeispiel des Psychologie-Professors Herrn Neumann (Grüße!), das ungefähr so ging:

Eine Frau wird von einem Psychologen in Trance versetzt und bekommt währenddessen einen posthypnotischen Befehl eingepflanzt, auf ein gewisses Stichwort hin bei der nächsten Sitzung doch bitteschön alle Blumen im Zimmer zu gießen. Und tatsächlich, die nächste Sitzung kommt, der Psychologe nennt das Stichwort und die Frau steht auf und fängt an, alle Blumen im Raum zu gießen. Auf die Frage des Psychologen hin, warum sie das getan hat, antwortet sie, ach ja, ihr wäre schon die ganze Zeit über aufgefallen, dass die Blumen ziemlich trocken seien und dringend Wasser benötigten. Gedanke zur Willensfreiheit: Jeder ist sich selbst der Größte weiterlesen

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Freier Wille: Straftäter verurteilen?

Die Überschrift müsste natürlich weitergehen: sofern sich herausstellen sollte, dass der Mensch gar keinen freien Willen besitzt und daher der Straftäter nicht Herr seiner Entscheidung war. Um es gleich vorwegzunehmen – aus mindestens zwei Gründen glaube ich, dass es richtig ist, ihn zu verurteilen. Erstens natürlich zum Schutz der Gesellschaft, denn konnte sich ein Straftäter tatsächlich nicht anders entscheiden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er auch bei nächster Gelegenheit eine Straftat begeht. Und zweitens, aber darauf komme ich erst zum Schluss zu sprechen, weil die Strafe möglicherweise die einzige Möglichkeit ist, den Straftäter vor der Straftat zu bewahren.

Zunächst aber noch einmal etwas grundsätzlicher zur „Willensfreiheit-Debatte“, die in dieser Form seit etwa 2004 geführt wird. In diesem Jahr hat das so genannte „Libet-Experiment“ stattgefunden, welches ungefähr besagt, dass ein Mensch deshalb keinen freien Willen haben kann, weil sich seine Neuronen bereits zu einer Handlung „entschieden haben“, noch bevor er sich dafür bewusst entscheidet. Im Einzelnen ging es darum, dass die Versuchsperson, wann immer sie wollte, den Finger heben sollte. Dabei hat man dann herausgefunden, dass das Gehirn schon 0,5 Sekunden, bevor die Versuchsperson eine bewusste Entscheidung trifft, den Finger zu heben, mit der Vorbereitung dessen beginnt. Demnach tun wir nur so, als ob wir uns willentlich für eine Sache entscheiden, wobei wir uns unterbewusst schon längst entschieden haben.

Obwohl gerne so getan wird, als ob dieses Experiment ein stichhaltiger Beweis gegen einen freien Willens ist, gibt es dennoch gute Gründe für die gegenteilige Annahme. Der wohl Wichtigste: Wir können uns deshalb frei entscheiden, weil wir vernunftbegabte Wesen sind, die, bevor sie eine Entscheidung treffen, die Möglichkeit haben, innezuhalten und ihren Verstand zu Rate zu ziehen. Was dabei oft nicht bedacht wird, aber dennoch erstaunt, ist, dass Argumente, die doch etwas vollkommen Immaterielles sind, scheinbar Einfluss auf unser physikalisches Gehirn nehmen können. Wenn ich mich also z.B. dafür entscheiden will, weniger zu schlafen und jemand begründet mir plausibel, dass das keine gute Idee ist, dann beeinflussen diese Gründe meine Entscheidung, indem sie gleichzeitig die neuronale Struktur meines Gehirns verändern.

Daran sieht man allerdings auch, dass man zwischen Bewusstsein und neuronaler Struktur kaum unterscheiden kann, sondern vielmehr beides Seiten derselben Medaille sind, die sich „Ich“ nennt.

Wie aber ist die Fähigkeiten zur bewussten rationalen Entscheidung damit in Einklang zu bringen, dass sich die Versuchspersonen im Experiment unterbewusst dafür entschieden haben, den Finger zu heben? Nun, das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass der Mensch die (überlebenswichtige) Fähigkeit besitzt, ökonomisch zu handeln. D.h. es wäre im alltäglichen Leben zeitlich gar nicht möglich, hinsichtlich jeder noch so kleinen Bewegung wie den Finger zu heben oder sich an der Nase zu kratzen, eine bewusste rationale Entscheidung zu treffen. Entsprechend ist es nur effizient, wenn das Unterbewusstsein uns so manche Entscheidung abnimmt. Daraus aber nun zu schließen, dass jede Entscheidung immer erst im Unterbewusstsein getroffen wird, ist Quatsch. Denn schon anhand der eigenen Erfahrung wissen wir doch: je kritischer eine Entscheidung ist, desto mehr halten wir inne und wägen sie bewusst ab. Und dann sind da noch die vielen Entscheidungen wie das morgendliche Aufstehen, die wir zwar unterbewusst treffen, aber nur, weil wir uns irgendwann einmal bewusst vorgenommen haben, um diese Uhrzeit aufzustehen und dies nun zur Routine geworden ist. D.h. je routinierter wir eine Entscheidung treffen, desto stärker kann sie aus ökonomischen Gründen ins Unterbewusstsein verlagert werden.

Das alles führt aber nun zu der Frage, wovon wir überhaupt unsere rationalen Entscheidungen abhängig machen. D.h. wenn uns unsere Vernunft die Fähigkeit eröffnet, frei zu handeln, dann muss es irgendeinen rationalen Maßstab geben, anhand dessen wir unsere Freiheit bemessen. Ich glaube, es gibt gute Gründe zu sagen, dass dieser Maßstab das ist, was Kant mit dem kategorischen Imperativ meinte, bzw. Philosophen wie Thomas Hobbes mit dem natürlichen Gesetz. Das heißt, es sieht danach aus, dass jedem Menschen ein a priori gültiges moralisches Prinzip ins Herz geschrieben ist, wie er zu handeln hat. Hält er sich daran, dann handelt er frei.
So macht für mich dann auch Frankfurters Definition von Willensfreiheit Sinn. Der stellt zunächst einmal fest, dass eine Person etwas wollen und gleichzeitig nicht wollen kann. Beispielsweise kann eine Person Drogen nehmen wollen und gleichzeitig wissen, dass er lieber keine Drogen nehmen sollte. Dass er Drogen nehmen will, ist in dem Fall der Wunsch erster Stufe. Lieber keine nehmen zu wollen, der Wunsch zweiter Stufe. Diese Person wäre laut Frankfurter unfrei, denn sie würde etwas wollen, was sie eigentlich nicht will. Dementsprechend wäre eine Person frei, wenn seine Handlung von den Wünschen erster Stufe bestimmt wird, von denen er auf der zweiten Stufe will, dass sie handlungswirksam werden.

Jetzt wurde Frankfurter allerdings dahingehend kritisiert, dass er offen lässt, wovon denn nun die Wünsche auf der zweiten Stufe abhängen. Und zudem: warum sollte überhaupt bei den Wünschen zweiter Stufe Schluss sein? Denn möglicherweise gibt es auch Wünsche dritter, vierter oder fünfter Stufe etc. Meiner Meinung nach braucht man aber soweit gar nicht zu gehen, sofern man die Wünsche zweiter Stufe an das natürliche Gesetz koppelt. Das würde dann bedeuten, dass eine Person dann frei handelt, wenn die Tat sowohl auf der ersten als auch auf der zweiten Stufe gewünscht wird, wobei der Wunsch wiederum die Forderungen des natürlichen Gesetzes erfüllt.

Nun aber zurück zum Straftäter. Was meinte ich damit, dass die Strafe möglicherweise die einzige Möglichkeit ist, ihn von einer Straftat abzubringen? Um das zu verstehen, darf man die Strafe nicht nur als Konsequenz der Tat verstehen, sondern bereits als Teil des Entscheidungsprozesses vor der Tat. Denn dass den Straftäter Strafe blüht, ist wohl einer der wichtigsten Gründe, warum er sich u.U. gegen die Tat entscheidet. Vielleicht bewusst, indem er sich z.B. bei Steuerhinterziehung überlegt, dass es die Sache nicht wert ist. Oder auch unterbewusst, indem z.B. die unterschwellige Angst vor Bestrafung stärker ist als der Impuls, den anderen umzubringen. So gesehen geht es nicht darum, ob es richtig oder falsch ist, eine zwanghaft handelnde Person zu bestrafen, sondern darum, dass die Aussicht auf Strafe das Potential hat, seinen Zwang zu brechen und ihn dadurch zurück zur Freiheit zu führen.

Gedankenhygiene nach Dr. Caroline Leaf

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Gott begegnen: Kognitionspsychologisch gedacht

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