Kann Gott Wunder wirken?

Hin und wieder höre ich, dass Gott schon deswegen keine Wunder wirken kann, weil ein Einwirken Gottes in unser System dem Energieerhaltungsgesetz widersprechen würde. D.h. auch wenn gemäß dem zweiten thermodynamischen Gesetz Energie innerhalb eines Systems von einem (Objekt) auf das andere übergehen kann (also z.B. vom heißen Tee auf den kalten Teebecher, der durch den heißen Tee wärmer wird), ist es scheinbar doch unmöglich, dass die Gesamtenergiemenge ansteigt – weswegen es scheinbar auch unmöglich ist, dass Gott Wunder wirkt und somit durch sein Handeln unserem System von außen Energie zuführt.

Warum ich das Argument für nicht besonders stichhaltig halte, liegt daran, dass es m.E. insofern einen Zirkelschluss darstellt, als dass die physikalischen Gesetze immer nur (unbedingt) innerhalb eines geschlossenen Systems gelten. D.h. gibt es keinen Gott, dann ist unsere Welt ein geschlossenes System, und der Gott, den es nicht gibt, könnte auch nicht in die Welt eingreifen. Gibt es dagegen einen Gott, dann gibt es etwas, das über unsere Wirklichkeit hinausreicht und unsere Welt ist kein geschlossenes System – weswegen es dann wiederum möglich sein muss, dass sich Gott über die gegebenen physikalischen Gesetze hinwegsetzen und sehr wohl Wunder wirken kann.

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Evolution und Mensch-ärgere-dich-nicht

Mit der Evolutionstheorie ist es bei mir so, da würde ich mir gerne alle Optionen offen halten; für den Fall der Fälle, dass ich irgendwann einmal vor Gott stehe und die Frage danach wider Erwarten doch irgendwie wichtig sein sollte.

Wenn Gott mich also fragt, warum ich denn nicht an die Evolutionstheorie geglaubt hätte, schließlich sei sie doch total logisch und vollkommen korrekt, dann könnte ich sagen, habe ich ja, doch wollte ich das vor meinen Glaubensbrüdern nicht so heraus posaunen, um keine unnötigen Zweifel zu säen.

Und wenn Gott mich fragt, warum ich denn nicht an die 6-Tage-Schöpfung geglaubt hätte, schließlich würde das doch in der Bibel stehen, dann könnte ich sagen, habe ich ja, doch ebenso wie Paulus die Sache des Glaubens verfochten hat, indem er den Römern ein Römer wurde, so hätte ich, und dies mit den allerbesten Absichten, vor Darwinisten den Darwinisten gemimt.

Und wenn mich Gott daran erinnern würde, dass er allmächtig ist und daher selbstredend keine 6 Tage zur Fertigstellung der Schöpfung benötigt hätte, weswegen der Schöpfungsbericht zwar keine historische, aber dafür eine literarische Wahrheit enthalten würde, wo hingegen die Evolutionstheorie völliger Quatsch sei, da sowieso alles noch einmal total anders abgelaufen wäre und daher die Menschen mit ihrem klein bisschen Verstand auch bloß nicht glauben sollten, sie hätten die Natur oder gar ihn, also Gott durchschaut – dann würde ich energisch mit dem Kopf nicken und sagen, dass ich ganz seiner Meinung sei, wobei ich das bisher für mich behalten hätte, um auf die Anderen nicht irgendwie überheblich oder neunmalklug zu wirken.

Und in der Tat würde Letztgenanntes meiner ehrlichen Meinung wohl noch am Ehesten entsprechen, denn was den Schöpfungsbericht angeht, glaube ich, dass er das Leben und deren Entstehung und Bedeutung in großartigen Bildern skizziert, aber darüber hinaus keinen Anspruch auf naturwissenschaftliche Validität erhebt.

Und was die Evolutionstheorie angeht, da tun sich für mich insofern Fragen auf, als dass meine Intention mir sagt, dass so etwas Großartiges wie das Leben nicht durch blinden Zufall entstanden sein kann, zumal Zufall ja auch immer ein Verlegenheitswort für etwas ist, dass man nicht so richtig versteht. Allerdings bin ich auch kein Biologe, weswegen ich aufpassen muss, nicht zu viel Quatsch von mir zu geben.

Und dennoch will ich nicht unerwähnt lassen, dass ich jetzt gerade, auf der meditativen Suche nach dem fehlenden Mosaik, welches erklären würde, das aus Zufall etwas Sinnvolles entstehen kann, an Mensch-ärgere-dich-nicht denken muss. Denn bei Mensch-ärgere-dich-nicht ist größtenteils auch alles Zufall. Und trotzdem gibt es übergeordnete Regeln, die dem Zufall sozusagen auf die Sprünge helfen. Zum Beispiel diejenige, dass ich erst aus dem Häuschen komme, wenn ich einen Sechserpasch würfele (war das überhaupt so oder genügt eine Sechs?). Jedenfalls mag es Zufall sein, einen Sechserpasch zu würfeln, aber der Sprung aus dem Häuschen, was man ja auch eine Art zielführenden Entwicklungsschritt nennen könnte, wäre kein Zufall, sondern regelgeleitet.

Und dann, neben dem Regelwerk, gibt es ja auch noch den Siegeswillen des Mitspielers, bzw. den Spieltrieb, der das Spiel vorantreibt. So wie es im echten Leben den Lebenstrieb gibt, der das Leben vorantreibt. Den Willen also von Lebewesen, zu leben und sich fortzupflanzen und weiter zu entwickeln. Und diesen Trieb haben ja nicht nur die Menschen, Tiere und Pflanzen, sondern hat in einem monadischen Sinne möglicherweise die ganze Natur.

Zusammen genommen wäre der Zufall eine Art Spielplatz, auf dem sich das Leben austoben könnte, wobei es gleichzeitig übergeordnete Lebensregeln und einen von innen wirkenden Lebenstrieb gebe, welche das Spiel in eine bestimmte regel- und triebkonforme Richtung lenken. Und warum wäre das so? Möglicherweise, weil Gott nicht nur den Menschen, sondern auch die Natur mir einer gewissen Form von Freiheit ausgestattet hat, die sich, wie beim Menschen, im Wechselspiel zwischen Wille, Umstand und Regel entfaltet.

Gott und die Wissenschaft

Summa summarum sieht es für den Verbleib Gottes in der Wissenschaft gar nicht so schlecht aus. Jedenfalls weit besser als noch vor, sagen wir, 200 Jahren, wo man sich wenigstens in bestimmten Kreisen ziemlich schwer tat, weiter an ihm festzuhalten. Oder wie meinte der Physiker Laplace noch mal zu Kaiser Napoleon? „Gott? Ich brauche diese Hypothese nicht mehr! Gott und die Wissenschaft weiterlesen

Evolution, Gott und das Leid

Man könnte sich fragen, ob Gott nicht auch eine Welt ohne Leid hätte schaffen können. Antwort: Hätte er, aber dann auch ohne Menschen. Jedenfalls unter evolutionären Gesichtspunkten betrachtet. Denn allerletzten Endes sind es die Naturgesetze, die sowohl für Glück als auch für Leid verantwortlich sind – beispielsweise das Glück, zu fliegen und das Leid, abstürzen zu können. Dieselben Naturgesetze sind es aber auch, die laut anthropischem Prinzip den Menschen hervorgebracht haben. D.h. dass überhaupt der Mensch aus der Evolution hervorgegangen ist, ist kein Zufall, sondern die Natur neigt scheinbar dazu, sich unter den Lebensbedingungen, die von den Naturgesetzen diktiert werden, in Richtung Mensch zu entwickeln, bzw. Intelligenz und Sinnesorgane herauszubilden und als Summe dieser Auswüchse irgendwann den Menschen. Würde man nun die Naturgesetze etwas anders justieren, könnte man sich Lebensbedingungen für eine Welt ohne Leid vorstellen. Weil aber die Existenz des Menschen an die Naturgesetze, so wie sie sind, geknüpft ist, wäre eine Welt mit abgeänderten Naturgesetzen kein für den Menschen geeigneter Lebensraum. Insofern hat Leibniz vermutlich Recht und wir leben tatsächlich in der bestmöglichen aller Welten. D.h. würde man das komplexe Zusammenspiel von Naturgesetzen und Lebensbedingungen wirklich verstehen, dann würde man sehr wahrscheinlich zu dem Schluss kommen, dass menschliches Leben nur in diesem spezifischen Rahmen entstehen konnte. Ob es sich aus diesem Rahmen heraus evolviert oder ob Gott das menschliche Leben auf eine Weise verändert, dass es auf einmal unter anderen Lebensbedingungen funktioniert, steht auf einem anderen Blatt. Jedenfalls ist das Leben, so wie wir es kennen, scheinbar nur als „Package Deal“ zu haben.

Weshalb ich eine atheistische Evolutionslehre ablehne

Unter einer atheistischen Evolutionslehre verstehe ich selbstverständlich eine Evolutionslehre, die ohne Gott auskommt. Die lehne ich ab, weil sie für mich weder intuitiv noch logisch Sinn macht. Würde sie nur meiner Intuition widerstreben, dann könnte ich mich natürlich hinsichtlich meiner Gefühle täuschen, und seien sie auch noch so stark. Aber wenn, wie in diesem Fall, Gefühl und Verstand einer Meinung sind, dann ist mir das Grund genug, hier meine Kritik zu äußern. Weshalb ich eine atheistische Evolutionslehre ablehne weiterlesen

Evolutionstheorie vs. Schöpfungsbericht

Man könnte mir nach Lesen meines letzten Artikels unterstellen, ich sei ein glühender Verfechter der Evolutionstheorie. Die Wahrheit ist, ich weiß darüber kaum etwas. Also ungefähr genauso viel wie 99 % aller anderen Menschen auch: das eine oder andere populäre Argument, darüber hinaus wird’s schwammig. Und das ist auch der Grund, warum ich mich aus dieser ganzen Evolutionsdebatte am liebsten raushalte, denn das ganze Thema ist so komplex, dass man dazu eigentlich nur dann etwas Seriöses sagen kann, wenn man es entweder studiert hat oder mindestens 10 wissenschaftliche Bücher dazu gelesen (und verstanden!) hat (davon mindestens drei über Mikrobiologie). Evolutionstheorie vs. Schöpfungsbericht weiterlesen

Naturwissenschaft vs. Schöpfungsglaube

Ganz ehrlich hege ich – so sehr mir auch Polemik zuwider ist – gewisse Sympathien für Chefatheisten wie Michael Schmidt-Salomon. Denn wenn man bedenkt, dass Zorn immer auch Ausdruck von enttäuschter Liebe ist, dann sehe ich in vielen (lautstarken) Atheisten Menschen, denen die Sache mit Gott schon extrem wichtig ist. So wichtig, dass sie ihn wahrscheinlich lieben würden, wenn sie an ihn glauben könnten. Da sie das aber nicht können, macht sich Enttäuschung breit, wobei Polemik gegenüber Gott als Ventil herhalten muss, um mit den schlechten Erfahrungen, die sie mit Gott, bzw. mit der „Idee Gott“ oder auch den Gottesanhängern gemacht haben, irgendwie klarzukommen. Naturwissenschaft vs. Schöpfungsglaube weiterlesen

Natur und Zufall am Beispiel Licht

Jeder kennt das Phänomen, dass man bei Tageslicht vor einer Fensterscheibe steht und darin sich selbst in Umrissen erblickt. Das aber liegt daran, dass Glas Licht nicht vollständig durchlässt, sondern nur zu 95%, während 5% zurückprallt. Und eben diese 5% sorgen dafür, dass wir uns in der Scheibe spiegeln. Natur und Zufall am Beispiel Licht weiterlesen

Spricht die Größe des Universums gegen einen Gott?

Spätestens seitdem klar ist, dass wir weder der Mittelpunkt des Universums sind noch die Sterne am Himmel hängen, hat so manch einer diesen komischen Verdacht, das da oben, über dem Firmament, doch kein Gott wohnt, der auf uns aufpasst. Oder man könnte auch fragen, wenn es einen Gott gibt und der Mensch die Krone seiner Schöpfung ist, warum verliert sich der Mensch dann in einem riesigen Universum?

Erwähnt habe ich ja schon einmal das anthropische Prinzip, welches ungefähr besagt, dass Leben nur unter einer ganz bestimmten und sehr seltenen Konstellation möglich ist. Wäre das Universum also kleiner, dann wäre damit auch die Wahrscheinlichkeit geringer, das Leben entsteht.

Oder man geht wie C.S. Lewis von einem verschwenderischen Gott aus, der nicht nur ein ganzes Universum schafft, um Leben auf einem einzigen unscheinbaren Planeten am Rande des Universums entstehen zu lassen, sondern auch ein ganzes Volk erwählt, um göttliches Leben aus einer einzigen unscheinbaren Frau am Rande der Gesellschaft hervorzubringen.
Oder man könnte auch meinen, dass wir zwar nicht in der geographischen Mitte des Universum leben, aber dafür sehr wohl in dessen ontologischen Mitte, vielleicht genauso wie Berlin zwar nicht geographisch, aber dafür hinsichtlich seiner Bedeutung und Aufgabe in der Mitte Deutschlands liegt.

Und da ist man auch schon ganz nah an Blaise Pascal, der es ebenfalls für schwachsinnig hielt, von der Größe des Universum auf die Existenz oder Nichtexistenz Gottes zu schließen, da Gott sowieso eine Ebene drüber liegt und sich zum Universum verhält wie die Linie zum Punkt oder die Fläche zur Linie.