Gedanken über den Tod

Wenn jemand stirbt, dann klingt das ja immer so nett: In Gedanken lebt er weiter! Aber richtig tröstlich ist das nicht, finde ich, denn letztlich sind es nicht seine, sondern meine Gedanken, in denen er, wenn man so will, weiterlebt. Und da ich selbst sterblich bin, sind auch meine Gedanken, ist jede Erinnerung, endlich. Und das ist der Punkt: Wir sind endlich. Oder wie Hegel es definiert: Wir sind endlich, weil etwas außerhalb unser selbst existiert, das uns begrenzt. Und dieses Außerhalb fängt früher an als man denkt. Die Heizung ist aus, meine Finger sind kalt. Ich würde schneller schreiben wollen, kann es aber nicht; meine Finger begrenzen mich.

Gott dagegen ist anders. Gott ist auch Person, denn auch er hat ein Innen und Außen. Aber das Außen begrenzt ihn nicht. Wollen wir etwas, dann reicht es nicht, dass wir es denken, wir müssen es uns mühsam erarbeiten. Will ich warme Finger haben, dann genügt es nicht, dass ich an warme Finger denke, ich muss mir Handschuhe anziehen, bzw. erst einmal welche stricken. Die Materie begrenzt uns. Indem wir sie formen, setzen wir die Grenzen immer wieder neu.

Wenn Gott dagegen etwas will und es denkt, dann ist es. Das gewollte Mögliche ist bei ihm das Wirkliche. Indem er spricht, ruft er ins Leben. Natürlich kann Gott nicht alles, das verbietet bereits die Logik. Gott kann aus Zwei und Zwei nicht Fünf machen. Er kann auch keine Fünfe gerade sein lassen. Aber einen Toten auferwecken, kraft seiner Gedanken; wenn er es will, dann kann er das.

Was nach dem Tod also bleibt, ist die Erinnerung. Die Erinnerung Gottes. Sein Gedanke an mich. Weil Gott aber unendlich ist und daher nicht von einem Außen begrenzt wird, ist seine Erinnerung von anderer Natur. Wir sind endlich, unsere Erinnerung formt sich aus der Außenperspektive. Wir können einander begegnen, können uns mitteilen, aber bleiben uns doch verschlossen. Gott hingegen kennt diese Außengrenze nicht; er schaut uns nicht vor den Kopf, er sieht ins Herz. Weil er uns aber besser kennt als wir uns selbst, ist seine Erinnerung an uns nicht fragmentiert; unsere vollständige Identität ruht in ihm. Sterben wir daher, dann lösen wir uns nicht auf, sondern wir gehen zugrunde; wir gehen in den Grund ein, der uns hervorgebracht hat; der uns wollte und will und in dem wir daher nicht nur Möglichkeit, sondern Wirklichkeit sind.

Weil uns Gott aber nicht nur als Mensch, als Einzelwesen, sondern als Menschen, als Gemeinschaftswesen, will, bedarf es auch nach dem Tod irgendeiner Form von Materie. Denn würden wir als Geist, als reines Ich-Bewusstsein weiterexistieren, dann gebe es nur noch Subjekte, nur noch Ich-Perspektiven, aber keine Objekte und somit auch kein Du. Materie ist das Medium der Intersubjektivität, sagt der Philosoph Holm Tetens. Ohne Materie, ohne etwas, das dem Geist eine Form gibt, stecken wir im Ich fest; wir bleiben auf uns selbst bezogen, von allen anderen isoliert.

Gemeinschaft, eine Beziehung zwischen Ich und Du, ist also nur um den Preis der Abgrenzung zu haben. Nur also, wenn ich endlich bin, wenn ich von einem Außen, einem Du, begrenzt werde, kann ich Gemeinschaft haben. Endlich ist das Leben also immer, selbst wenn es ewig ist, denn mein Ich endet an der Grenze des Anderen.

Diese Grenze zum Anderen bedrückt uns aber umso mehr, als dass der Andere nicht nur der Andere, sondern immer auch der Fremde ist. Denn der Andere, das ist der, der meinen Hunger stillt, es ist aber auch der, der mich verhungern lässt. Was uns befremdet, ist nicht die verschlossene Tür, sondern die Unsicherheit, nicht wissen zu können, was sich hinter dieser Tür verbirgt; Gutes oder Böses?

Wenn Gott also den Menschen will, wenn er mich und den Anderen will, aber ich den Anderen nicht will und er mich auch nicht, dann stellen wir uns Gott entgegen und das von Gott gewollte Leben kann nicht funktionieren. Ein Ich und ein Du kann es daher nur geben, wenn in dem Ich und Du derselbe Wille regiert; wenn hinter der verschlossenen Tür auf beiden Seiten der Geist Gottes weht. Weil das, was Gott will, aber immer auch eintritt, kann der Tod nicht das letzte Wort haben, denn wäre mit dem Tod alles vorbei, dann würde der Mensch, dann würde die Menschheit unversöhnt sterben und ein gemeinsames Leben im selben Geist und Willen nur Utopie bleiben.

Sind wir also (materialisierte) Gedanken Gottes, dann hat sich Gott scheinbar willentlich dazu entschieden, sich selbst zu begrenzen, indem er uns mit einem freien Willen ausstattet, der sich für oder gegen ihn entscheiden kann. Wenn man so will, ist Gottes Konflikt also, dass er einen anderen Willen außerhalb seiner selbst will, der Gottes Willen wollen soll, was die Möglichkeit inkludiert, weil es ein eigenständiger Wille ist, dass er Gottes Willen nicht will. Da es aber Gottes Wille ist, dass sein Wille gewollt wird, und weil das, was Gott will, immer auch passiert, gibt es nur die eine Möglichkeit: dass zum Schluss der Mensch das will, was Gott will. Eschatologisch löst sich dieser Konflikt (aus christlicher Perspektive), indem Gott sich selbst zum (materialisierten) Gedanken wird, um als Mensch den Willen Gottes zu wollen.

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Gibt es ein Leben nach dem Tod?

Die Frage betrifft natürlich das klassische Leib-Seele-Problem. Wie also ist es möglich, dass das, was wir Bewusstsein oder Ich-Identität nennen, weiterexistiert, auch wenn das Gehirn, welches doch der materielle Träger von Bewusstsein und Ich-Identität ist, stirbt? Neuropsychologisch spricht man dabei von Supervenienz, was so viel bedeutet, dass es zwischen Gehirnaktivität und Bewusstseinszustand immer eine kausale Beziehung geben muss. Wenn demzufolge die Gehirnaktivität erlischt, dann erlischt damit auch das Bewusstsein.

Die Argumentation muss man nun allerdings in dem Sinne richtig einordnen, dass sie naturalistisches Gedankengut einfach als Tatsache voraussetzt. Das heißt, die Argumentation beruht darauf, dass Materie alles ist, was es gibt. Daher muss selbstverständlich auch alles durch Materie erklärt werden. Und demnach ist unser Bewusstsein letzten Endes nur ein „Abfallprodukt“ unserer neuronalen Aktivität. Kommt diese zum Erliegen, wird anschließend  natürlich auch kein Abfall mehr produziert.

Alles steht und fällt demnach mit der Frage, ob unser materielles Universum alles ist, was es gibt oder ob darüber hinaus möglicherweise noch andere Dimensionen existieren. Und an dieser Stelle kommt mir ganz gelegen, dass ich ja gerade erst in den letzten Beiträgen dafür argumentiert habe, dass es meiner Meinung nach doch sehr wahrscheinlich ist, dass dieses Universum eben nicht alles ist, sondern dass es darüber hinaus einen Gott gibt, der dieses Universum geplant und verursacht hat.

Dies im Sinn lautet meine Argumentation dafür, dass die Seele auch nach dem Tod weiterexistiert, folgendermaßen: Wenn es einen Gott gibt, der das Universum erschaffen hat, dann muss dieser auch über eine Art Willen verfügen, denn Handeln (gleich Universum schaffen) setzt immer Wollen voraus. Wenn er aber einen Willen hat, dann muss er auch eine Art Bewusstsein oder Ich-Identität haben, denn Wollen setzt immer ein Subjekt voraus, das etwas will. Und wenn er ein Bewusstsein hat, dann muss er in irgendeiner Art über die Fähigkeit verfügen, die wir denken nennen, denn Bewusstsein ist ja nichts anderes als ein Denkprozess. Da der Schöpfer a priori aber von ganz anderer Natur sein muss als die Schöpfung, ist nicht davon auszugehen, dass Gott ein materielles Gehirn besitzt. Daher muss er über eine andere, uns unbekannte „Technologie“ verfügen, womit er denkt. Das bedeutet aber, dass Denken und damit auch das Bewusstsein nicht zwangsläufig an ein materielles Gehirn geknüpft ist.

Jetzt könnte man natürlich einwenden, Bier ist Bier und Schnaps ist Schnaps. Also Gott ist Gott und Mensch ist Mensch, weshalb man da die Dimensionen nicht verwischen sollte. Und das würde ich auch sofort unterstreichen, wenn ich nicht daran glauben würde, dass Gott selbst die Ebenen bereits verwischt hat, indem er eben nicht mehr der Gott hinter der Grenze des Universums ist, sondern durch Jesus zu einem Stück von diesem Universum geworden ist.

Wenn das aber nicht stimmen sollte und es gebe nur den uns unbekannten Schöpfer „hinterm Sternenzelt“, dann könnte ich mir zwar trotzdem vorstellen, dass es theoretisch, wie im Fall dieses Schöpfers, eine Art von Denken gibt, das ohne materielles Gehirn zustande kommt. Aber dann würde ich mir halt auch sagen, dass das mit mir gar nichts zu tun hat, weil ich für dieses materielle Leben bestimmt bin und damit Schluss ist, wenn das Gehirn versagt.

Wenn das aber stimmt und Gott sich uns in Jesus nicht nur offenbart hat, sondern gleichzeitig auch versprochen hat, „dass wir leben, auch wenn wir sterben“, dann stellt sich das alles für mich auf einmal ganz anders dar. Denn dann hat für mich die Sache mit einem Bewusstsein, das auf einer neuen, aber mir unbekannten „Technologie“ beruht, auf einmal größte Relevanz. Denn was ich dann nur noch glauben muss, ist, dass Gott diese (oder eine ähnliche) Technologie auch für mich zum Einsatz bringt.

Wem das alles zu theoretisch klingt, das ist im Grunde genauso wie wenn man behaupten würde, ein Auto kann nur mit einem Verbrennungsmotor laufen, weil das die einzig uns bekannte Technologie ist. Aber dann wird auf einmal der Elektromotor erfunden und auch die Skeptiker müssen einsehen, dass dasselbe Auto auch ganz anders angetrieben werden kann.

Im Fall von unserem Bewusstsein weiß ich jetzt nur nicht, ob es noch auf Benzin läuft und auf Strom umgestellt wird oder ob bereits, wie bei einem Hybridmotor, beide Technologien im Einsatz sind, nur halt, dass sich der Elektromotor unserer Wahrnehmung entzieht. Aber wie auch immer es um uns bestellt ist, wenn man glauben kann, dass es einen Gott gibt, dann kann man auch gleichzeitig glauben, dass es eine geistige Dimension gibt, in der Dinge möglich sind, von denen wir keine Ahnung haben. Ob die Seele also nach dem Tod fortlebt, dass hängt für mich erstens ganz stark von der Frage nach Gott ab und ist für mich zweitens Vertrauenssache, dass dieser Gott, der mir das ewige Leben versprochen hat, sein Versprechen auch einhält.

Von der Auferstehung der Toten

Wie soll man sich das eigentlich vorstellen, dass laut jüdischem und christlichem Glauben die Toten am Ende der Zeit wieder auferstehen werden? Ist das nicht, wo wir doch wissen, dass ein Mensch nach seinem Tod vollständig verwest, etwas naiv? Von der Auferstehung der Toten weiterlesen

Von Geist zu Geist – wie Gott mit uns redet

Zunächst möchte ich festhalten, dass Gott, weil er der Schöpfer ist, kein Teil der Schöpfung sein kann und daher außerhalb von Raum und Zeit in einer anderen Dimension existiert. Allerdings ist nicht nur Gott übernatürlich – wir sind es insofern auch, als dass wir als „beseelte Wesen“ einen Geist haben, der sich dem Supranaturalismus zufolge nicht aus den natürlichen Dingen erklären lässt und daher seinen Ursprung im Übernatürlichen haben muss. Wenn Gott nun als übernatürliches Geistwesen (das klingt esoterisch, ist aber total biblisch) einen Menschen berührt oder zu einem Menschen spricht, dann tut er das, indem er den Geist eines Menschen berührt, bzw. zu seinem Geist spricht. Obwohl dieser Mensch weder akustisch noch mit irgendeinem anderen (natürlichen) Sinn davon etwas mitbekommt, spürt er dennoch, dass es Gott ist, der gerade „Kontakt aufnimmt“.

Vielleicht ist das vergleichbar mit einem träumenden Kind, an dessen Bettkante der Vater sitzt und mit ihm redet oder seine Hand greift. Obwohl das Kind bewusst nichts davon mitbekommt, können die Worte oder die Berührung dennoch in die Dimension seines Traums durchdringen und dort Wirkung zeigen. D.h. möglicherweise denkt die Person im Traum nun genau das, was der Vater gesagt hat oder die Berührung sorgt dafür, dass sich die ganze Traumatmosphäre ins Positive wandelt. Insofern ist es auch verständlich, dass Menschen in Folge einer Gottesbegegnung einen tiefen Frieden verspüren, denn was sie wirklich fühlen, ist die Hand Gottes, die ihren Geist berührt. Und das nicht irgendwie metaphorisch, sondern – aus Gottes Perspektive betrachtet – genauso real wie das Kind für den Vater real ist.

Warum Gott unsichtbar ist

Ich denke gerade an einen blauen Ball mit einem ganz bestimmten grün gezacktem Muster. Ist dieser Ball real? Und wenn ich ihn aufmale, ist das Bild von dem Ball dann real? Und wenn ich dieses Bild Adidas schicke, damit die daraus einen Ball fertigen, hat dieser Ball, der ja offenkundig real ist, mehr Realität als der Ball in meinem Kopf? Ich denke nicht, denn abzüglich meiner Idee von dem Ball, würde von dem echten Ball nur ein Stück Gummi oder Leder übrigbleiben. Warum Gott unsichtbar ist weiterlesen

Naturalismus vs. Supranaturalismus

Angenommen, es wäre möglich (was natürlich keiner will) mich zu klonen und dieser Klon hätte die gleiche neuronale Struktur und außerdem eine zu 100% identische Erinnerung – dann müsste, sofern das ICH tatsächlich lediglich ein Produkt genetischer und sozialer Faktoren ist, mein Klon dasselbe ICH haben wie ich. Wenn ich dann aber meinen Klon beobachten würde, dann würde ich mich gleichzeitig selbst beobachten, was aber schon deswegen nicht geht, weil ich es ja bereits bin, der beobachtet. Insofern muss das ICH, welches mein Klon als sein ICH wahrnimmt, ein anderes ICH sein als das, welches ich als mein ICH wahrnehme. Wenn sich mein ICH aber von dem meines Klons unterscheidet, obwohl wir die Gleichen sind, dann muss das ICH mehr sein als ein bestimmtes, durch Anlage und Umwelt hervorgerufenes neuronales Muster. Wenn es aber mehr ist und somit die Grenzen des Natürlichen sprengt, dann ist es, wenigstens teilweise, übernatürlich. Wenn es aber übernatürlich ist, dann muss es auch eine übernatürliche Welt geben, die das Vorhandensein eines ICHs begründet.

Leib-Seele-Problem: Gehirn und Geist

In Anlehnung an den letzten Beitrag will ich nun doch noch wenigstens einen Satz zum Leib-Seele-Problem zu Papier zu bringen. Und das ist auch schon das Stichwort, denn indem ich etwas zu Papier bringe, fülle ich es mit Schrift. Die Schrift symbolisiert Information, ist aber nicht gleichbedeutend mit Information. D.h. bevor es nicht jemanden gibt, der die Schrift ausliest, ist Schrift nichts weiter als eine Aneinanderreihung bedeutungsloser Zeichen.
Was aber nun das Gehirn betrifft, da hat auch eine Neurostruktur keinerlei Bedeutung, bis sie von dem Bewusstsein (Ich) „ausgelesen“ wird. Wenn ich es aber bin, der die Gehirnstruktur ausliest, dann muss ich mich von ihr ebenso unterscheiden, wie sich Information von Schrift unterscheidet. Leib-Seele-Problem: Gehirn und Geist weiterlesen

Vom freien Willen zur Unsterblichkeit der Seele

Die Frage nach dem freien Willen führt m.E. schnurstracks zu der Frage, ob wir überhaupt einen Geist haben oder lediglich ein von unserem Gehirn verursachter mentaler Zustand sind. Das führt wiederum zu der Frage nach Unsterblichkeit und dies letztlich zu Gott als die große geheimnisvolle Antwort auf alle anderen Fragen. Vom freien Willen zur Unsterblichkeit der Seele weiterlesen